Ein bisschen Freundschaft ist mir mehr wert als die Bewunderung der ganzen Welt. (Otto Fürst von Bismarck)




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 Betreff des Beitrags: Der Bräutigam der sich nicht traut (Slash)
BeitragVerfasst: 11.02.2010, 22:46 
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Sams Schwimmlehrer
Sams Schwimmlehrer
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Hallo liebe Leser(innen)! :wink:

Ich freue mich, dass ihr meine kleine Kurzgeschichte angeklickt habt. Angelehnt ist diese Geschichte an den Film „Die Braut die sich nicht traut“ mit Julia Roberts und Richard Gere. (Ich liebe diesen Film, der damals an meinem Geburtstag in den Kinos anlief und meine Freundin mich an diesem Abend eingeladen und damit absolut begeistert hat … seitdem schaue ich ihn mir öfters an *schmacht*)
Zum Ausgleich meines derzeitigen Dramas „Schrei, wenn du kannst“ … habe ich mich dazu entschlossen, aus dem oben genannten Hollywoodfilm eine angelehnte Romanze im Harry Potter Fandom zu schreiben … und das Ergebnis könnt ihr unten lesen :-)
Ursprünglich war die Kurzgeschichte als OS gedacht, aber bei 24 Seiten habe ich sie jetzt doch in zwei Kapitel aufgeteilt und das 2. Kapitel folgt nächste Woche.


Genre: Romanze
Pairing: Harry x Draco
Rating: Leser ab 16 Jahre/Slash

Inhalt: Fünf Jahre sind nach dem Abschluss in Hogwarts vergangen. Draco Malfoy ist inzwischen Starreporter beim Tagespropheten und bekommt den Auftrag, Harry Potter – Zaubererheld und Starsucher im Quidditch – kurz vor seiner Hochzeit für einen Exklusivbericht zu interviewen. Doch plötzlich wallen alte Gefühle in beiden auf …

Disclaimer: Alle urheberrechtlich geschützten Figuren gehören JKR.
Ich habe mir die Charaktere nur ausgeliehen und verdiene mit dieser Story kein Geld!


Jetzt wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen!
Liebe Grüße, eure Elbi



**************************************



Der Bräutigam der sich nicht traut



1. Kapitel
Das Wiedersehen



„Hey Dray“, rief eine bekannte Stimme und kam näher, „der Chef wünscht deine Anwesenheit.“

Draco Malfoy drehte sich betont langsam zur Seite und schaute einen Moment später seinem Kollegen Lewis O’Connor geradewegs in die dunkelblauen Augen. Sein Mund war zu einem schelmischen Lächeln verzogen und zu allem Überfluss schlug ihm O’Connor auch noch wohlwollend auf die Schulter.

„Was will denn Smith schon wieder von mir?“, gab Draco ruppig zurück, löste mit einem aufgesetzten Lächeln Lewis’ Hand und stemmte schließlich beide Hände in die Hüften. Doch dann konnte er seine stets so bekannte Malfoymaske nicht mehr aufrechterhalten, denn Lewis’ Haare zogen ihn völlig in seinen Bann. „Man O’Connor“, stieß Draco mit zusammengepressten Lippen hervor, um nicht laut aufzulachen. „Was hast du denn gemacht?“

„Frag’ mich besser nicht“, bedeutete Lewis gespielt schmollend und fuhr sich einmal mit den Fingern durch sein giftgrünes, mit gelben Sprenkeln durchsetztes, schulterlanges Haar.

Jetzt war es mit Dracos Beherrschung endgültig vorbei und er prustete lauthals los. Lewis schloss sich ihm an und es dauerte einige Minuten, bis sich beide soweit wieder unter Kontrolle hatten, um zumindest einen vernünftigen Satz über die Lippen zu bringen.

„Was ist denn mit dir passiert?“ Draco musste einfach fragen.

„Da kannst du dich bei Peter bedanken“, schüttelte der Grünhaarige den Kopf. „Der hat mir den falschen Trank aus der Apotheke geholt. Statt meines gewohnten Haarfärbemittels hat er mir Jogapulver mit Grünkleewurzeln gekauft und das Ergebnis siehst du ja. Tja und das Gute daran ist, es hält bis zu 24 Stunden.“

„Ich frage besser nicht nach, wofür der Grünklee gut ist“, lächelte Draco verschmitzt, der zwar einige der verschiedenen Wirkungsweisen noch aus der Schule her kannte, aber nicht jene, mit der sich sein Kollege zurzeit urkomisch aussehend herumschlagen musste. Stattdessen besann er sich rasch auf Lewis Worte zurück und fragte geradeheraus ein zweites Mal: „Was will denn Smith von mir?“

„Ganz ehrlich, ich weiß es nicht“, antwortete Lewis O’Connor immer noch kopfschüttelnd und lief bereits in die entgegensetzte Richtung des Flurs davon und rief über seine Schulter: „Am besten fragst du ihn selbst.“

Ach, auf diese Idee wäre ich so schnell gar nicht gekommen, dachte der blonde Mann.

Kurz darauf machte er sich auf den Weg, klopfte an Mr Smiths Tür und nach einem „Herein“ trat er in ein kleines Büro, dass über und über mit allerlei voll geschriebenen Pergamenten, zahlreichen Ausgaben das Tagespropheten und noch mehr neusten Berichten seiner Mitarbeiter gefüllt war. Als Greogory Smith seinen Mitarbeiter sah, winkte er ihn näher und bedeutete ihm Platz zu nehmen, was Draco tat und sich seinen Chef genauer betrachtete.

Greogory Smith war ein kleiner, molliger Mann mit Halbglatze. Er trug oft bunt zusammen gewürfelte Kleidung, die weder farblich noch im Stil harmonierte und nun schaute er mit kleinen Augen durch die Gläser seiner schwarzen Hornbrille.

„Mr Malfoy“, sprach er nach einem Räuspern und schob einen Stapel Pergamente dabei zur Seite. „Ich habe einen wichtigen Auftrag für sie.“

„Und welchen?“

„Sie sind seit einem Jahr unser Starreporter beim Tagespropheten“, begann Greogory Smith zu erklären und sah bei seinem Gegenüber ein wissendes Lächeln aufblitzen und er erwiderte es nur zu gerne, um seine folgenden Worte zu unterstreichen. „Uns hat heute Morgen eine äußerst wichtige Nachricht erreicht und nach mehreren Eulen haben wir die Exklusivrechte der Berichterstattung erhalten.“

Draco war neugierig geworden und lehnte sich im Stuhl weiter nach vorne, um ja kein Wort zu verpassen.

„Harry Potter …“, redete Smith unbeirrt weiter und hob mit jeder weiteren Silbe seine Stimme, „… wird in einer Woche heiraten. Der Zaubererheld des Krieges und Starsucher der Falmouth Falcons wird nächsten Freitag den Bund der Ehe besiegeln. Das wird die Story des Jahrhunderts und wir alleine haben die Rechte …“
Draco Malfoy, ehemaliger Eisprinz von Slytherin, saß plötzlich da wie vom Blitz getroffen und seine Augen starrten ins Leere. Dabei hallten die eben gesprochenen Worte immer und immer wieder in seinem Kopf nach und die lange Litanei seines Chefs bekam er schon gar nicht mehr mit, während seine Gedanken und Gefühle wild umherwirbelten. Er konnte sich doch nur verhört haben, fragte er sich und doch wusste er von der Richtigkeit dieser so unerwarteten Nachricht, wobei er gedankenverloren in seinen Erinnerungen versank.



Flashback:

Draco Malfoy schaute mit einer Mischung aus Angst, Ungewissheit und Hoffnung in die smaragdgrünen Augen von Harry Potter. Seinen Nerven waren zum Zerbersten gespannt und sein Herz schlug immer schneller in seiner Brust.

„Draco“, begann Harry leise und kam mit jedem weiteren Wort einen Schritt seinem ehemaligen Erzfeind und inzwischen lieb gewonnen Freund immer näher. „Wir haben uns jetzt vor einem halben Jahr versöhnt und nur du und ich wissen, was uns noch verbindet. Ich weiß nur nicht, was ich von deinem Vorschlag halten soll.“

„Genau so, wie ich ihn gemeint habe“, antwortete Draco flüsternd, hob seine Hand und streichelte sanft über die weiche und leicht gerötete Wange von Harry, der sich den liebevollen Finger seufzend entgegendrückte und für einen kurzen Moment die Augen schloss.

„Ich kann dir nicht sagen, ob meine Gefühle so stark sind, dass ich mich in aller Öffentlichkeit outen kann und dann auch gleich mit dir zusammenzuziehen ist ein gewaltiger Schritt für mich“, erklärte Harry einige Augenblicke später traurig und spürte plötzlich Dracos Zittern, was seine Worte ausgelöst hatten. Daher nahm er die Hand des Blonden in die seine, schaute ihm tief in die sturmgrauen Augen und versuchte schweren Herzens seine Gefühle und Bedenken seinem Liebhaber begreiflich zu machen. Gleichzeitig wurden die tausend brennenden Kerzen und der Geruch von aberhunderten Rosen zur absoluten Nebensache, die Draco extra für ihn im Raum der Wünsche heraufbeschworen hatte. Stattdessen besaß er jetzt noch Augen für die inzwischen feuchten Seelenspiegel des Slytherins und er schluckte merklich, bevor er leise weiter sprach. „Draco, du musst wissen, dass du wirklich der erste und wahrscheinlich der einzige Mann in meinem Leben bist und sein wirst. Ich liebe dich und möchte gerne mit dir zusammen sein. Aber du musst auch mich verstehen …“, da brach er plötzlich ab, als Draco sich aus seinem sanften Griff löste und mit lautem Schnauben nach hinten trat. Nun sah ihn der blonde Slytherin mit verletztem Blick und bebenden Lippen an.

„Draco …“, erwiderte Harry.

„Nichts Draco“, fuhr ihn der Blonde barsch an und begann nun wütend auf und ab zu laufen, wobei er die roten Rosen auf dem Boden willentlich zertrat. „Du hast mir doch nur was vorgespielt, gib es einfach zu. Ich war so ein Idiot und bin auch noch auf deine sanftmütige Masche reingefallen.“

„Das war keine Masche und ein Idiot bist du schon mal gar nicht“, gab Harry prompt zurück und setzte sich mit mulmigem Gefühl auf das Bett, welches mitten im Raum stand und sein Blick folgte Draco, der weiterhin im Raum der Wünsche herumtigerte.

„Ach, der Zauberheld will mir weiß machen, dass ich nicht total verblödet bin?“, keifte Draco zurück. „Verdammt Harry, du bist ein elender Mistkäfer. Ich liebe dich und du trittst mir nach einem halben Jahr sprichwörtlich in den Arsch!“

„Nein, das stimmt nicht“, meinte Harry nun ebenfalls zornig, ballte beide Hände zu Fäusten und versuchte dennoch ruhig sitzen zu bleiben. „Ich liebe dich noch genauso wie vorher, aber was du verlangst kann ich jetzt noch nicht erfüllen.“

„Ach ja und ich heiße Merlin.“ Dracos Augen funkelten bedrohlich. „Du bist nichts weiter als ein Heuchler!“

„Sag’ das nicht“, platzte es daraufhin aus Harry heraus und er stand auf. Sein Körper begann zu beben. „Kannst du oder willst du mich nicht verstehen, dass ich endlich ein wenig Ruhe brauch’. Ich stand schon mein ganzes Leben ungewollt im Rampenlicht und endlich hab ich die scheiß Presse nicht am Hals und dann kommst du und willst mich dahin zurückschicken, wo ich nicht hin will. Das gibt die Schlagzeile schlechthin … „Harry Potter – Zaubererheld ist schwul und wohnt mit seinem Erzfeind zusammen“ … geht das nicht in deinen verbohrten Schädel rein? Die Leute werden sich ihr Maul zerreißen und ich bin froh niemanden mehr sehen zu müssen.“

„Verbohrt bist wohl eher du“, seufzte Draco laut auf, blieb stehen und versuchte sich und seine Gefühle plötzlich hinter der stets so bekannten, stahlharten Miene des Malfoyerben zu verstecken. „Ich hab’ für dich beinahe mit meinen Eltern gebrochen und werde nach diesem Schuljahr endlich eine Ausbildung als Heiler anfangen. Dann frag’ ich dich, ob du mit mir zusammenziehst und du hast nichts Besseres zutun, als meine Gefühle zu dir mit Füßen zu treten. Geh’ doch da hin wo der Pfeffer wächst und bei Merlins und Morganas Hutspitze, ich will dich nicht mehr sehen!“

Nach diesen Worten wandte sich Draco ab und marschierte mit schnellen Schritten aus der Tür und zurück blieb ein völlig verzweifelter Harry, am Boden zerstört. Der hellblonde Slytherin hastete die Treppen vom siebten Stock herunter, stieß hier und da jüngere Schüler unsanft zur Seite und fluchte lautlos vor sich hin. Was war nur passiert? Noch vor einer halben Stunde hatten Harry und er sich zärtlich geküsst und in den Armen gelegen und nun hatte ihm der Gryffindor rotzfrech ins Gesicht gesagt, dass sie keine Zukunft zusammen hätten! Was bildete sich der Löwe – sein Löwe – eigentlich ein?


Flashbackende:



Von diesem Moment, vor fünf Jahren, waren Draco und Harry kein Paar mehr und waren nach dem Abschluss einen Monat später bis heute getrennte Wege gegangen. Alleine dieser Gedanke ließ den Blonden erschaudern und er kämpfte innerlich gegen seine alten Gefühle an, während sein Chef gerade mit freundlichem Lächeln erklärte: „Mr Potter und seine Verlobte Ginny Weasley sind damit einverstanden und daher werden sie die nächste Woche auch in ihrem Haus wohnen. Ich wünsche Exklusivinterviews von allen Beteiligten und wenn es geht auch von Mr Potters Manager.“

„Vom Wiesel?“ Dracos Kiefer gab ungewollt der Schwerkraft nach und er starrte mit weit aufgerissenen Augen ungläubig Greogory Smith an.

„Ja, von Mr Ronald Weasley“, antwortete Dracos Chef und tat so, als hätte er den letzten Kommentar seines Starreporters nicht gehört. „Außerdem dürfen wir nicht vergessen, es ist immerhin die jüngere Schwester von Mr Potters Manager, die den Held und besten Sucher des neuen Jahrhunderts heiratet. Haben sie dazu noch einige Fragen? Wenn nicht, dann würde ich vorschlagen sie packen ihre Koffer und werden bis spätestens heute Abend nach Falmouth, an der Südküste Cornwalls, reisen.“

Draco atmete tief durch, versuchte sich zu sammeln und schloss schließlich den Mund. Anschließend presste er beide Lippen fest aufeinander, schüttelte den Kopf und erhob sich. Mr Smith drückte ihm noch eine Pergamentrolle mit den wichtigsten Fragen in die Hand, dann folgte eine Geldbörse mit hundertfünfzig Galleonen Spesen, ein warmer Händedruck und schon wurde Draco mit den besten Glückwünschen entlassen.

Als der ehemalige Slytherin wieder im Gang stand, verstand er die Welt nicht mehr. Wieso musste er nach so langer Zeit ausgerechnet den Mann wieder sehen, der ihm vor fünf Jahren das Herz gebrochen und welches seit jenem Moment bis heute kein anderer Mann mehr zu heilen vermocht hatte. Schlimmer noch, seit jenem Tag war jede Beziehung zwischen Draco und einem Mann immer wieder gescheitert; er konnte einfach keinen anderen so lieben wie den schwarzhaarigen Gryffindor.

Gleichzeitig war Draco jedoch der Starreporter des Tagespropheten, liebte seinen Job und wenn er diesen Auftrag jetzt noch ablehnte, könnte er die nächsten zehn Jahre wahrscheinlich im Archiv Akten sortieren.

„Verdammt!“, fluchte Draco vor sich hin und lief mit der Pergamentrolle dem Ausgang entgegen. „Verfluchte Scheiße, Potter! Du bist doch mein Verhängnis!“

~~~~~~


Pünktlich zum Fünf-Uhr-Tee stand Draco Malfoy mit zugezogenem Umhang, einer schweren Ledertasche und Rucksack vor einer weißen Haustür und starrte auf den goldenen Löwenkopf, der als Türklopfer diente. Daneben prangte in schwarzen Lettern der Name Potter, während der gesamte Eingang mit Blumentöpfen zugestellt war. Der Blonde atmete tief durch, straffte seine Schultern und schließlich kündete er sein Kommen an.

Einige Augenblicke später öffnete sich die Tür und die sturmgrauen Augen von Draco fixierten ein ihm bekanntes Gesicht, das ihn mit Schrecken, aber dann mit Stolz und Würde anschaute.

„Sie wünschen, Mr Malfoy, Sir“, sprach Dobby ernst und rückte seine neu gehäkelte Strickmütze zurecht, die in Pink, Orange und Hellblau leuchtete.

„Dobby!“, antwortete Draco freundlich und freute sich tatsächlich den früheren Hauselfen seiner Familie wieder zu sehen. Doch als er die ungeduldige Miene des Elfen beobachtete, erinnerte er sich an die damaligen Umstände und die Behandlung von Dobby durch seinen Vater zurück und seine Freude wandelte sich in einen geschäftlichen Ausdruck. Er räusperte sich und dann sagte er: „Mein Kommen ist angekündigt worden und ich bin Reporter vom Tagespropheten. Ich soll bis zur Hochzeit Bericht erstatten.“

„Harry Potter, Sir, hat Dobby gesagt er soll Reporter in den Salon bringen“, bedeutete der Hauself mit kritischem Blick, machte aber freiwillig Platz und ließ Draco eintreten.

Dort sah sich der Blonde sofort neugierig um und es überraschte ihn mehr, als er je zugeben würde, wie modern und trotzdem einladend der Hausflur auf ihn wirkte. Alles war in weiß gestrichen worden. Hier und da standen zeitgemäße Möbel und an den Wänden hingen wunderschön gemalte Landschaftsbilder aller Art, die dem Ganzen einen ganz gewissen Flair verliehen.

„Bitte folgen sie Dobby, Sir“, riss der Elf Draco aus seinem Staunen und langsam, aber nicht weniger interessiert lief er Dobby hinterher.

Kurz darauf kamen sie im Salon an und auch hier war alles hell, modern und gemütlich eingerichtet. Ein Geschmack, den Draco Harry niemals zugetraut hätte oder aber, und das schien die logischste Erklärung zu sein, die kleine Weasley musste hier ihr Händchen im Spiel gehabt haben.

„Ich sagen Harry Potter, dass Reporter von Tagesprophet da ist“, verkündete Dobby mit ernstem Unterton und wandte sich in Richtung Tür. „Sir, nehmen solange Platz, warten bis Harry Potter da ist.“

„Selbstverständlich“, antwortete Draco höflich und schmunzelte, als er den Hauselfen die Tür schließen sah, der mit der grässlichen Kopfbedeckung und zwei verschiedenen Paar Socken zum Lachen komisch wirkte. Doch im Handumdrehen verschwand sein Lächeln und plötzlich war er alleine mit seinen aufwühlenden Gedanken und Gefühlen und musste nervös auf die Ankunft des Schwarzhaarigen warten.

~~~~~~


Harry, Ginny und ihr inzwischen lieb gewonnener Freund Blaise Zabini – ehemaliger Slytherinschüler und seit knapp drei Jahren Mitinhaber von Harrys Quidditchmannschaft den Falmouth Falcons – saßen gemütlich in der Küche und tranken Tee. Plötzlich tauchte Dobby mit einem leisen Plopp neben ihnen auf, verneigte sich und schaute Harry mit großen Augen an.

„Ist der Reporter schon da?“, fragte der Schwarzhaarige unbekümmert, doch innerlich seufzte er auf, denn eigentlich hatte er für solcherlei Sperenzien, wie ein Exklusivbericht seiner Hochzeit überhaupt keinen Kopf. Vielmehr gab es noch abertausende Dinge bis zum nächsten Freitag zu erledigen, seine Nerven lagen ohnehin blank und schon kurz nach der Vermählung stand ein wichtiges Ausscheidungsspiel auf dem Plan.

„Ja, Reporter von Zaubererzeitung warten in Salon, Harry Potter, Sir“, antwortete Dobby und wirkte alleine beim Gedanken an die wahre Identität des Journalisten sichtlich nervös, was auch Harry auffiel.

„Und was verschweigst du?“, platzte der ehemaligen Gryffindor gerade heraus und sah den Elfen kurz zusammenzucken, was sofort Harrys Neugier weckte. „Komm’, raus mit der Sprache … hat er vielleicht einen Kröter mitgebracht oder warum siehst du so aus, als würdest du dich gerne auf der Stelle verstecken?“

Dobby senkte den Blick, schluckte merklich und spielte nebenbei mit seinen langen Fingern. Doch schließlich war er ein gehorsamer Hauself, ein Freund von Harry Potter und er wollte sicherlich nicht den Zaubererhelden verärgern. Daher sprach er leise und die drei anwesenden Magier mussten ihre Ohren spitzen, um das Folgende zu verstehen.

„Harry Potter, Sir“, setzte er an, „der Reporter kein netter Mann. Der Reporter ist … ist … Sir, sie müssen aufpassen.“

„Los, sag’ schon“, versuchte nun Blaise dem Elfen die Wichtigkeit zu entlocken.

„Der Reporter ist … Harry Potter, Sir, der Reporter ist früherer Master Draco Malfoy.“

Kaum war der Name ausgesprochen, war Dobby mit einem weiteren Plopp auf der Stelle verschwunden und die drei Freunde saßen für einen Moment sprachlos am Küchentisch und starrten auf die leere Stelle. Langsam schlich sich die Erkenntnis über den Journalisten in ihre Köpfe und Ginny zog plötzlich erschrocken die Luft ein. Sie machte große Augen und schaute sofort zu Harry und Blaise.

Blaise wiederum öffnete den Mund, dachte an seinen früheren Schulfreund zurück, den er nun seit fünf Jahren weder gesprochen, noch gesehen oder gar mit ihm geschrieben hatte, und presste dann beide Lippen aufeinander. Er wusste nicht, sollte er sich freuen oder verärgert sein, oder gar beides auf einmal oder nichts von beidem.

Harry saß am Tisch, stellte betont vorsichtig die Teetasse ab und versuchte nicht zu zittern. Draco Malfoy saß in seinem Salon! Draco Malfoy – der einzige Mann den er jemals geliebt und den er eine viel zu lange Zeit nicht mehr gesehen hatte, saß bei ihm im Haus. Augenblicklich begann sein Herz schneller zu schlagen. Er fühlte einen kalten Schauer über den Rücken jagen und spürte einen merkwürdigen Stich in seinem Inneren, was er weder beschreiben, noch sich hätte erklären können.

„Ich habe schon einige Artikel von ihm gelesen“, unterbrach Ginny plötzlich gefasst und mit freudigem Tonfall die entstandene Stille und erhielt die volle Aufmerksamkeit der beiden Männern, die sie verwirrt anstarrten. „Ja, guckt doch nicht so. Er schreibt hauptsächlich Reportagen und letztes Jahr war er für den Tagespropheten in Amerika und hat einen fantastischen Reisebericht über San Francisco geschrieben.“

„Davon wusste ich gar nichts“, bedeutete Blaise und wirkte nach diesen Worten eindeutig interessiert, denn das hätte er Draco niemals zugetraut.

„Warum weiß ich davon nichts, mein Schatz?“, fragte Harry immer noch erstaunt, aber jetzt ein wenig gesetzter. Allein die Erinnerung an Dracos sturmgraue Augen ließen ihn nervös werden und der Gedanke, Draco als Reporter auf Reisen, bescherte ihm einen weiteren, unbeschreiblichen Stich im Bauch.

„Ganz einfach, mein Held“, lächelte Ginny, stand auf und ging zu Harry hinüber. Sie umarmte ihn von hinten, hauchte ihm einen sanften Kuss in den Nacken und dann lief sie zum Herd. „Harry, du liest nur den Sportteil und die aktuellsten Nachrichten“, erklärte sie schließlich und stellte den Teekessel auf die noch warme Herdplatte ihres modernen Ofens. Als sie sich herumdrehte blickte sie in zwei verdutzte Mienen. „Hey Jungs, ihr seht aus, als würde euch gleich der Schlag treffen. Ich lese gerne die Kolumnen von Luna im Klitterer, aber noch faszinierender sind die tollen Reiseberichte von Lewis O’Connor und Draco Malfoy im Tagespropheten.“

„Wieso hast du mir nie gesagt, dass Draco Reporter ist?“ Harry zeigte nun aufrichtig Interesse.

„Wieso hätte ich?“, kam die Antwort von Ginny, die sich köstlich über Harrys Verwirrtheit amüsierte, ohne auch nur zu ahnen, was die beiden jungen Männer damals kurz vor ihrem Abschluss miteinander geteilt hatten. Dafür war ihr – und so vielen anderen auch – durchaus bekannt, dass die einstigen Erzfeinde von Hogwarts Frieden geschlossen hatten, sich aber nach dem Abschluss niemals wieder über den Weg gelaufen waren.

„Na ja“, setzte Harry an und überlegte kurz, bevor er weiter sprach. „Ich hatte immer gedacht Draco wollte Heiler lernen und würde im St. Mungos arbeiten. Niemals hätte ich auch nur im Ansatz gedacht …“

„… dass er einmal für den Tagespropheten arbeitet“, beendete Blaise seinen Satz und seufzte leise. „Oh man, das sind Nachrichten. Dray hat sich seit unserem Abschluss nicht mehr bei mir gemeldet und ja, ich hab’s auch nicht gemacht. Der bekommt doch einen Schock, wenn er uns sieht.“

„Vielleicht bei dir, Blaise“, erwiderte nun Harry und sah dem dunkelhäutigen Zauberer direkt in die dunklen Augen. „Es ist ja kein Geheimnis wem ich in einer Woche meine ewige Liebe schwöre“, dabei huschte ihm ein liebevolles Lächeln übers Gesicht und zwinkerte Ginny kurz zu. „Außerdem ist meine Mannschaft ja wohl nicht gerade unbekannt und …“

„Dann mach ich dir einen Vorschlag“, meinte Ginny. „Du begrüßt ihn erst einmal alleine und ich komme mit Blaise nach und den Tee bring ich auch gleich mit.“

Diese Idee wurde von den beiden Männern wohlwollend angenommen und genauso wollten sie es tun. Mit einem Küsschen auf Ginnys Wange, einem Handschlag auf Blaise Schulter und nach mehreren tiefen Atemzügen ging Harry hinaus in den Flur. Dobby war nirgendwo zu sehen und vielleicht war das auch gut so. Langsam lief er in Richtung Salon und versank dabei in alten Erinnerungen.



Flashback:

„Geh doch da hin wo der Pfeffer wächst und bei Merlins und Morganas Hutspitze, ich will dich nicht mehr sehen!“, hallten die Worte schmerzlich in Harrys Ohren nach, wobei er verzweifelt und mit einer ihm völlig unbekannten Angst Draco hinterher schaute. Er sah den blonden Slytherin die Tür zuschmeißen und dann war er alleine. Alleine im Raum der Wünsche, alleine mit seinen Gefühlen und alleine mit dem Scherbenhaufen, der vor wenigen Sekunden noch sein Herz gewesen war.

Was war nur geschehen? Wieso war es nur soweit gekommen und gab es noch eine Rettung für Draco und ihn?

Mit gesenktem Kopf ließ er sich auf das weiche Bettlaken zurückfallen und spürte die heißen, schmerzlichen Tränen aufsteigen, da flossen sie ihm bereits ungehemmt über die Wangen. Schließlich weinte er, wie er noch nie in seinem Leben geweint hatte. Er vermisste Dracos Nähe. Er vermisste die glänzenden, sturmgrauen Augen seines Geliebten die ihn bei jedem Blick eine wohlige Gänsehaut bescherten. Er vermisste die zarten Finger, die ihn streichelten, ihm sanft über den Rücken fuhren und ihm schon so manchmal ein unbeschreibliches Gefühl der Lust entlockt hatten.


Flashbackende:



Gab es denn tatsächlich keine Rettung für Draco und ihn? Harrys Liebe war nach diesem schicksalhaften Abend zuerst in Wut und einen Monat später in Traurigkeit umgeschlagen. An die Stelle des hellblonden Slytherin war innerhalb eines weiteren Monats Ginny getreten, die er liebte wie eine Schwester, wie eine gute Freundin und doch versuchte er bis zum heutigen Tag sie so zu lieben, wie sie es verdiente – wie seine künftige Ehefrau. Er schätzte ihre Gesellschaft, sie hatten immer viel Spaß bei dem was sie taten, sie lebten zusammen und ein Leben ohne Ginny, die ihn bei allem unterstützte, konnte er sich nicht vorstellen.

Plötzlich blieb Harry stehen und starrte einen Moment die geschlossene Tür zum Salon an. Dahinter wartete also Draco auf ihn. Doch er war beruflich hier und nicht zu einem Freundschaftsbesuch und vor allem nicht wegen dem, was sie damals innig und völlig grenzenlos miteinander verbunden hatte. Dies wiederholte Harry mehrmals gedanklich und nach einem tiefen Seufzen öffnete er dennoch mit zittrigen Händen die Tür, bereit dem Mann zu begegnen, der seine erste große Liebe gewesen war.

Augenblicklich glitt sein Blick zu Draco, der ihm zurzeit den Rücken zuwandte und nicht mitbekommen hatte, dass Harry eingetreten war. Draco lief fahrig am Kamin auf und ab und schien ein aufgerolltes Pergament zu studieren, während er flüsternd vor sich hin plauderte. Harry musste bei diesem Bild lächeln, denn was er sah, gefiel ihm. Draco trug eine dunkelblaue Jeans und ein modisches blaues Hemd und darunter ein weißes T-Shirt. Seine Haare waren inzwischen länger als damals und fielen ihm strähnig und verspielt ins Gesicht. Er schien dabei ganz und gar auf Haargel verzichtet zu haben, zugleich schimmerte sein unverwechselbares Blond im Licht des Salons hell und anziehend. Dabei fing Harrys Herz an sofort erneut schneller zu schlagen und er konnte nicht sagen, ob es nun an dem attraktiven Anblick lag oder einfach an der Tatsache, dass er Draco seit fünf Jahren zum ersten Mal wieder sah.

„Hallo Draco“, sagte der Schwarzhaarige schließlich und schloss die Tür hinter sich.

Der hellblonde Mann blieb abrupt stehen, wandte sich zu der Stimme um und schaute plötzlich mit überraschtem Gesicht in die smaragdgrünen, funkelnden Augen von Harry Potter. Sein Herz machte vor Nervosität, Angst und Freude zugleich einen Hüpfer, sein Puls raste und es dauerte einige Momente bis er sich soweit im Griff hatte, um überhaupt wieder normal zu atmen. Nebenbei betrachtete er sein Gegenüber genauer, das mittlerweile näher gekommen war und ihm höflich die Hand gereicht hatte.

Harry trug eine hellblaue Jeans, einen dünnen, dunkelgrünen Sommerpullover und an der Stelle wo er stets eine Brille getragen hatte, war nichts mehr zu sehen. Das schwarze, immer störrische Haar stand ihm verwuschelt vom Kopf ab, während er mit einem Lächeln da stand und nun seine Hände knetete.

„Hallo Harry“, antwortete Draco leise und versuchte jetzt weder seine Nerven, noch seine Stimme zu verlieren, was gar nicht so einfach war. Harry sah besser aus als in seinen Erinnerungen und wahrlich anziehender als auf den vielen Bildern in letzter Zeit, die ihn meist beim Sieg seiner Mannschaft zeigten.

„Hätte ich gewusst, dass du der Reporter bist …“, fing Harry ein wenig unsicher an und setzte sich nebenbei in einen gemütlichen Ohrensessel, wobei er Draco auf einen ihm gegenüberstehendes Sofa einlud, „… dann hätte ich dich persönlich an der Tür begrüßt.“

„Dobby hat sich ganz schön erschreckt“, erwiderte Draco fahrig, setzte seine bekannte und emotionslose Malfoymiene auf und besann sich eilig seines Auftrages. Er war hier um für seinen Arbeitgeber eine Reportage über die bevorstehende Heirat des Helden zu schreiben und dafür Interviews mit beteiligten Personen zu führen und nicht, um seine alte Liebe wieder zu sehen. Dass damit beides unweigerlich zusammenhing versuchte er so gut es ihm möglich war zu ignorieren.

„Nun ja, Dobby war nicht weniger überraschter als ich eben“, bedeutete Harry und gab sich sichtlich Mühe keine Gefühle zu zeigen, was ihm unglaublich schwer fiel.

„Ich dachte, Mr Smith hätte alles bereits geklärt“, antwortete ihm Draco sachlich.

„Hat er …“, sagte Harry und unterbrach sich, als sich die Tür zum Salon öffnete und eine fröhlich lächelnde Ginny mit einem Tablett und ein nervös dreinblickender Blaise den Raum betraten.

Draco schaute sofort auf und war froh das Pergament immer noch in der Hand zu halten, denn unweigerlich hielt er sich daran fest. Vor ihm stand plötzlich sein alter und hoch geschätzter Schulfreund Blaise Zabini, der offensichtlich nicht wusste was er tun sollte. Letzteres nahm ihm der hellblonde Mann augenblicklich ab, als er sich erhob und dann völlig unerwartet auf ihn zustürmte und umarmte.

„Man oh man, Blaise“, freute sich Draco überschwänglich und es dauerte einige lange Momente, bis sich der dunkelhäutige Zauberer erleichtert aus der Umarmung löste und sich sein Gegenüber genauer betrachtete.

„Hey mein Süßer …“, lachte Blaise und all seine vorangegangene Nervosität war wie weggeblasen, „… du siehst verdammt gut aus. Wir haben uns schon lange nicht mehr gesehen, wie geht es dir?“

„Ganz gut, würd’ ich sagen“, antwortete Draco schmunzelnd und besah sich Blaise genauer.

Er war noch immer groß, schlank und besaß am ganzen Körper genau an den richtigen Stellen ausgeprägte Muskelpartien, die sich deutlich unter seiner engen Hose und dem anliegenden T-Shirt abzeichneten. Gleichzeitig erkannte er die strahlenden Augen und Draco fragte sich tatsächlich, wieso er sich nicht schon viel früher bei seinem alten Schulfreund gemeldet hatte. Aber was nicht ist, konnte ja noch werden, schwor er sich schließlich stumm und wurde sich bewusst, dass ja noch jemand Bekanntes im Raum war.

„Die kleine Weasley“, sagte er laut und ohne die Spur von Sarkasmus. Denn auf verquere Art und Weise hatte er die jüngste Schwester des Wiesels nie wirklich gemocht, aber auch niemals wirklich gehasst. Obwohl in seinem Inneren bei Ginnys Anblick, die ihn immer noch fröhlich anlächelte, mit einem Mal ein merkwürdiges Feuer in ihm aufloderte, was sich verstärkte, als sie Harrys Hand in die ihre nahm und ihren Kopf auf dessen Schulter schmiegte. Doch rasch verdrängte er alle Gefühle und was auch immer gerade mit ihm passierte. Er kam auf Ginny zu, reichte ihr die Hand und sie erwiderte den Gruß, um sich gleich wieder an Harry zu kuscheln.

„Ginny Weasley, schon lange nicht mehr gesehen“, sagte Draco und folgte Harrys erneuter Einladung, auf dem Sofa Platz zu nehmen, was er tat und dabei bemerkte, dass er das Pergament von Mr Smith inzwischen total verknüllt in der Hand hielt. Eilig verschwand es in seiner Hosentasche.

„Ginny reicht vollkommen“, bedeutete währenddessen die Rothaarige. „Falls du dich erinnerst, wir haben uns nach der Schlacht ausgesprochen.“

Und wie sich Draco daran zurückerinnerte. Zuerst hatte das Ministerium öffentlich erklärt, dass die Familie Malfoy Spione waren und schließlich die vollständige Rehabilitation der alten Zaubererfamilie bekannt gegeben. Darüber hinaus hatte die neue Schulleiterin Minerva McGonagall den Häuserkrieg in Hogwarts beendet, indem es lange, klärende Gespräche gab. Das war auch der Zeitpunkt, an dem Draco zum ersten Mal in seinem Leben seinen Hass auf Harry Potter gänzlich über Bord geworfen hatte und seine wahren Gefühle für den schwarzhaarigen Gryffindor an die Oberfläche gekommen waren.

„Hier, eine Tasse Earl Grey“, bedeutete Ginny, unterbrach dabei Dracos Gedanken und reichte ihm gleichzeitig eine heiße Teetasse, die er mit einem Nicken entgegen nahm.

Harry hatte die Begrüßung mit gemischten Gefühlen beobachtet und zum einen freute er sich, dass sie hier zusammen sitzen konnten, ohne sich wie früher anzugiften. Aber auf der anderen Seite wusste er nicht richtig mit der gesamten Situation umzugehen und wie er sich gegenüber Draco während der Berichterstattung verhalten sollte. Denn je mehr er den hellblonden Mann betrachtete, desto mehr Erinnerungen an ihre damalige gemeinsame Zeit schlichen sich in seinen Kopf.

„Sollen wir gleich mit den ersten Interviews anfangen“, fragte Draco nach einigen Momenten sachlich und kramte nebenher in seinem Rucksack, woraufhin er einen Block und eine selbstnachfüllbare Schwanenfeder hervorzog.

„Von mir aus“, zuckte Harry die Schultern und sah Ginny und Blaise bestätigend nicken. „Mit wem möchtest du gerne anfangen?“

Draco runzelte kurz die Stirn, überlegte und dann sagte er: „Ladys first, fangen wir also mit Ginny an.“

Die Rothaarige lächelte und machte es sich auf dem Sofa bequem. Blaise und Harry waren neugierig geworden und lauschten den folgenden Fragen mit überraschten Mienen. Draco erledigte seine Arbeit geschickt und so ganz anders wie die oft verhasste Rita Kimmkorn, die im Krieg gestorben war. Er fragte sie höflich – ohne dabei zu aufdringlich zu wirken - über die Verlobung aus, wie sie sich die kommende Hochzeit vorstellte und alles rund um die Familie. Als die Sprache auf ihre Arbeit fiel, war Draco einige Augenblicke sprachlos. Denn er erfuhr, dass die hier hängenden Landschaftsbilder ihr Werk waren und sie in London in einer kleinen Muggelgalerie noch weitere Bilder ausstellte und viel Zeit in ihrem Atelier verbrachte. Zudem verkauften sich ihre Bilder besser, als anfänglich angenommen und sie hatte sichtlich viel Spaß bei ihrer Arbeit. Im Vertrauen erzählte Harry, dass er sie manchmal zwei Tage am Stück überhaupt nicht sah, wenn sie ganz vertieft den Pinsel schwang.

Anschließend kam Blaise an die Reihe und Draco stellte ihm hauptsächlich Fragen bezüglich seiner Mitinhaberschaft der Quidditchmannschaft. Als dies erledigt war, stand Ginny plötzlich auf und bedeutete dem dunkelhäutigen Zauberer es ihr unauffällig gleichzutun.

„Wenn ihr mich entschuldigt“, meinte die Rothaarige zufrieden. „Aber ich werde einmal Dobby suchen müssen und noch so einige andere Dinge warten auf mich, die sich leider noch nicht von selbst erledigen.“

„Ich … ich ble …“, setzte Blaise an, wurde aber von Ginny unterbrochen, die seinen Satz für ihn beendet. „… du wolltest dich doch noch um die Gästeliste kümmern.“ Diese Worte unterstrich sie mit einem ernsten Gesichtsausdruck und winkte ihn hinter sich hinaus in den Flur, hauchte nebenher ein Luftküsschen in Richtung Harry und schloss dann die Tür.

„Kannst du mir bitte mal erklären, was das eben sollte?“, fragte Blaise völlig verwirrt, der nicht einmal Zeit gehabt hatte, sich von Draco vernünftig zu verabschieden.

„Die beiden haben sich seit fünf Jahren nicht mehr gesehen“, erklärte Ginny ihm rasch und zog ihn am Ärmel fort. „Und wenn du es vergessen hast, die beiden haben sich im Streit getrennt. Sie sollten wenigstens die Möglichkeit zur Aussprache bekommen. Denn auf ihre alte Feindschaft kann ich getrost verzichten.“

Das nahm Blaise sprichwörtlich den Wind aus den Segeln und er gab seiner Freundin Recht. Doch irgendwie war da noch etwas und er konnte nicht sagen was es war.

~~~~~~


Zurück blieben zwei verwunderte Zauberer, die der Rothaarigen und dem Schwarzhaarigen kurz zum Abschied zuwinkten und dann sahen, wie sich die Tür schloss und schon waren beide alleine. Anschließend herrschte kurzzeitig absolute Stille.

Harry kaute nervös auf seiner Unterlippe und knetete nebenbei seine Hände so unauffällig wie möglich. Draco wiederum umklammerte seine Schwanenfeder und starrte auf das neue Pergament, wo er Harrys Antworten aufschreiben wollte. Die anderen hatte er bereits sorgfältig in seiner Mappe verstaut.

„Ja … also“, stotterte nun der einstige Gryffindor, schluckte merklich und richtete seinen Blick geradewegs in die sturmgrauen Augen von Draco. Sofort durchfuhr ihn ein Stich, den er aber eilig verdrängte.

„Dann sollten wir anfangen“, antwortete Draco und sah direkt in die smaragdgrünen Tiefen von Harry und spürte dabei sein Herz augenblicklich schneller schlagen.

„Es tut mir leid“, setzte Harry an.

„Ich möchte mich entschuldigen“, bedeutete Draco gleichzeitig.

Dann schwiegen beide und einige Sekunden später lachten sie lauthals los.

„Du zuerst“, meinte Harry.

„Nein, du zuerst“, bedeutete Draco.

„Na gut“, schmunzelte Harry leicht und fuhr sich mit zittrigen Händen durch sein ohnehin verstrubbeltes Haar und ließ dann seinen Blick zu Boden sinken. Die sturmgrauen Augen riefen plötzlich unerwartete Gefühle in ihm wach und gleichzeitig nagte die Schuld von damals an seinen Nerven. „Also ich möchte mich bei dir wirklich aufrichtig entschuldigen. Das was damals war, war nicht nett von mir …“

„Nein, Harry“, redete Draco dazwischen, der innerlich gegen erwachende Gefühle ankämpfte und sah nun ebenfalls auf den Boden. „Ich war der größere Idiot von uns beiden. Ich hätte wissen müssen wie sehr du die Presse hasst und …“

Der Blonde brach ab und abermals legte sich Stille auf den Salon, während ihre Nervosität immer stärker wurde.

„Nun arbeitest du selbst für diese Lügner auf dem Papier“, lächelte Harry plötzlich und schon trafen sich ihre Blicke erneut.

Draco grinste, nickte und dann sagte er ruhig: „Und du bist der gefeierte Starsucher!“

„Nimmst du meine Entschuldigung an?“, fragte Harry ohne Umschweife und ging nicht auf die letzten Worte ein.

Draco schien zu überlegen, dann wurde sein Grinsen breiter. „Ich nehme sie nur an, wenn du auch meine Entschuldigung akzeptierst.“

„Einverstanden“, bedeutete der Schwarzhaarige mit einem freudigen Hüpfer seines Herzens, stand auf und kam auf Draco zu.

„Dann sind wir quitt!“, verkündete der Blonde, stand ebenfalls auf und kurz darauf umarmten sich Draco und Harry zögerlich, aber dann immer inniger.

Beide genossen die Nähe des Anderen, spürten schlagartig wie lange sie den Anderen vermisst hatten und als sie sich nach über einer Minute endlich wieder trennten, lag auf ihren Wangen ein rosafarbener Schimmer.

„Freunde?“, fragte Draco.

„Freunde!“, antwortete Harry.

Sofort lagen sie sich wieder in den Armen und als sie sich ein zweites Mal trennten, reichten sie sich die Hand und wirkten zum ersten Mal seit ihrem Wiedersehen so gelöst, wie schon lange nicht mehr.

„Sollen wir anfangen?“ Diese Frage kam von Draco und er setzte sich zurück auf das bequeme Sofa.

„Ja, dann haben wir es hinter uns und können uns auf das Abendessen freuen“, antwortete Harry und tat es dem Blonden gleich und nahm wieder auf dem Ohrensessel Platz. „Ginny kann fantastisch kochen und ich hoffe doch mal, dass Dobby auch inzwischen dein Zimmer hergerichtet hat.“

„Ginny kann kochen?“ Draco wirkte erstaunt.

„Hat sie von Molly gelernt und sie war eine gute Schülerin“, witzelte Harry und lächelte.

„Dann lass’ ich mich am besten überraschen“, meinte Draco und rückte seinen Block zurecht. „Darf ich dich vorher noch etwas Privates fragen?“

Harry nickte interessiert.

„Seit wann bist du mit Blaise so gut befreundet?“

„Das war kurz nach der Schule“, erklärte der Schwarzhaarige und freute sich wie ein Schneekönig so plötzlich mit Draco frei und ungezwungen reden zu können. Denn wenn er eines wusste, er wollte Draco als Freund wiedergewinnen und ihn nicht einfach so wieder gehen lassen.

„Als du zu den Falmouth Falcons gekommen bist?“

„Ja“, bestätigte Harry. „Als er dann schließlich als Investor mit eingestiegen ist, haben wir schnell gemerkt, dass wir uns super verstehen und den Rest hast du ja gesehen.“

Draco deutete ein leichtes Nicken an, aber innerlich machte sich allmählich ein Gefühl breit, das er nur zu gut kannte. Aber gerade deswegen begann er es mit allen Mitteln niederzukämpfen und versuchte sich auf das nun bevorstehende Interview zu konzentrieren.

Harry bekam davon nichts mit, wobei er selbst sich gleich mehrmals bei dem Gedanken ertappte, wie attraktiv er Draco fand. Gleichzeitig drängte sich eine Frage auf, die er wie aus der Pistole geschossen auch schon nicht mehr zurückhalten konnte.

„Aber sag’ mir vorher, wolltest du nicht Heiler werden? Wieso bist du jetzt Journalist?“

Draco war einen Augenblick sprachlos, doch dann seufzte er und räusperte sich. „Nun ja, es war so …“, begann er zu erklären und spielte ein wenig unsicher mit den Fingern an der Schreibfeder. „… als wir … als ich …“, druckste er zuerst herum und schluckte einen Kloß im Hals herunter, bevor er weiter redete. „Als wir getrennte Wege gingen und ich nach dem Abschluss meinem Vater die endgültige Wahrheit sagte … dass ich schwul bin … und ich ausziehen wollte, da hat er mir den Geldhahn zugedreht und mich, sagen wir mal so, hochkant rausgeworfen. Ab und an treffe ich mich noch mit meiner Mutter, die mir heimlich was zusteckt, aber ich stand vor fünf Jahren erst einmal vor dem Problem kein Gold mehr zu haben. Ich hab dann erst mal hier und da als Aushilfe gearbeitet und dann sah ich die Anzeige, dass der Tagesprophet neue Leute sucht. Und hier bin ich, habe eine kleine Wohnung und einen super Job.“

Harry hatte mit vielem gerechnet, aber nicht mit dieser Aussage und schwieg für einige Augenblicke. Schließlich kaute er erneut an seiner Unterlippe und freute sich trotz der eher bedrückenden Neuigkeiten für Draco. Doch eine weitere Frage war noch offen und er überlegte fieberhaft, ob er sie stellen sollte.

Der Blonde wiederum beobachtete wissbegierig Harrys Mienenspiel, das Überraschung und Zufriedenheit widerspiegelte. Aber auch ihm entging nicht, dass Harry noch etwas auf der Seele brannte und er konnte sich denken, um was es sich drehte, da hörte er auch bereits die an ihn gerichteten Worte.

„Also hast du dich in der Öffentlichkeit geoutet“, sagte Harry leise und schaute dabei abermals Draco in die sturmgrauen Augen, der seinen Blick nicht abwandte. „Hast du … also du weißt schon … wohnst du alleine?“

„Ob ich einen Freund habe?“, bedeutete Draco und schüttelte den Kopf. „Nein, ich hatte bisher drei Beziehungen, aber leider haben sie nicht gehalten.“ Doch viel lieber hätte er geantwortet: „Keiner war so wie du und nur dir alleine gehört mein Herz, dass du mir vor fünf Jahren gestohlen hast.“

„Oh“, war zuerst alles was Harry daraufhin erwiderte, dann straffte er seine Schultern und kam wieder auf das Interview zu sprechen.



~~~~ Fortsetzung folgt ~~~~




Was meint ihr?
Haben Harry und Draco noch eine Chance oder anders ausgedrückt, hat ihre Freundschaft noch eine Chance?

Würde mich über ein Kommi riesig freuen.

Liebe Grüße
Elbenstein

_________________
Ynsanter – Seele des Feuers
Geboren aus den Wirbeln der Zeit,
um zu bringen die Harmonie von Chaos und Ordnung
und zu dienen der Schöpfung immerfort.


Auszug aus "Ynsanter - Seele des Feuers" Band 1 v. Annette Eickert


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