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 Betreff des Beitrags: Fußstapfen im Schnee
BeitragVerfasst: 02.08.2009, 18:22 
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Gimlis Bartflechter
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Inhalt: eine kurze Drama-Episode von mir, zu der mich die Tatsache inspiriert hat, dass es im Dezember endlich mal schneite, als ich auf dem Heimweg war...

Genre: Drama, Tragik

Disclaimer: keine Namen... meins!

~~~~~~~~~~


Fußstapfen im Schnee

von Galadriel


Ein neues Jahr beginnt. Ein neuer Anfang, sagt man, doch für mich ist es ein Ende. All das, wofür ich die letzten zehn Jahre lang gelebt habe, soll nun vorbei sein? Einfach so. Dieser Gedanke erscheint mir so irreal, aber es ist die Wahrheit. Die kalte erbarmungslose Wahrheit. Er ist gegangen, weil er mich nicht mehr liebt. So sagt er. Ich habe Angst vor dem, was nun kommt. Vor der Veränderung, vor dem Alleinsein. Heute Morgen bin ich erwacht und dachte für einen Moment er würde neben mir liegen. Doch das Bett ist jetzt immer leer. Ich meide das Schlafzimmer, das einst so voller Wärme und Liebe war. Nun ist es trist und einsam. Meist übernachte ich auf dem Sofa, viel Schlaf finde ich ohnehin nicht.
Die Tage sind nicht nur draußen kalt, sondern auch in mir. Wie lange ist es her, dass er mich zum Lachen brachte? Dass ich Geborgenheit in seinen Armen fand. Viel zu lange, obwohl es erst gestern gewesen zu sein scheint. Ich schaudere unwillkürlich, meine Finger sind klamm und zittern ein wenig. Dieses leere Haus um mich herum droht mich zu erdrücken. Ich werde noch verrückt! Wie ein Tier im Käfig streife ich durch die dunklen Räume. Draußen steht eine schmale Mondsichel am Himmel zwischen mächtigen Wolken. Schneeflocken tanzen lautlos auf die kalte Erde zu.
Ich stoße die Glastür auf, die aus dem Wohnzimmer hinaus auf die Terrasse führt. Eine dünne Schneeschicht überzieht bereits den Boden unter meinen Füßen. Langsam trete ich ins Freie und gehe über die Wiese. Der frostige Wind lässt meine Ohren und meine Nasenspitze bald schmerzen. Und wenn schon. Ich schlinge die Arme um meinen zitternden Körper und setze weiterhin Fuß vor Fuß. Am Ufer des gefrorenen Zierteichs lasse ich mich ins verschneite Gras sinken. Die Kälte kriecht immer tiefer in mich hinein. Vielleicht, wenn ich lange genug ausharre, lässt sie mein Herz ganz erfrieren. Ein Eisklumpen soll es werden und kein Herz mehr, dann wird all das Leid in mir endlich schweigen.

Unaufhörlich fallen die dichten Schneeflocken herab. Sie umschmeicheln den reglosen Körper, decken ihn sanft zu, sie betten ihn zur Ruh. Die Fußspuren, die durch den verschneiten Garten führen, hören auf zu sein. Als am Morgen die Sonne einen klaren Himmel erhellt, deutet nichts mehr darauf hin, dass erst vor ein paar Stunden ein Mensch über die weiße Wiese geschritten ist. Am Ufer des Teichs lässt sich eine engelsgleiche Silhouette erahnen, eingehüllt vom Schnee. Das Sonnenlicht streut seinen Glanz auf das alles bedeckende Weiß. Es ist still, bis auf das Seufzen des Windes. Nichts regt sich. Die Welt scheint erfroren und gestorben zu sein.
Dann durchbrechen Schritte kleiner Füße die Stille. Eine Gestalt läuft durch den Garten, scheucht eine Amsel auf, die rasch unter einem Busch Deckung sucht. Das Kind bemerkt den neuen Hügel am Teichufer, den es nicht kennt. Neugierig stapft es hinüber, kniet sich in die Wiese. Seine junge freie Phantasie zeigt ihm das weiße Gesicht eines Engels im Schnee. Das Kind streckt seine kleine in einem Fäustling steckende Hand aus, dann begreift es jäh, dass dieser Engel wirklich ist. Es schließt seine Arme vorsichtig um den kalten Körper, während Tränen auf den vom Wind geröteten Bäckchen zu Eis gefrieren.

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"Wirklich frei macht wahrscheinlich nur der Wahnsinn!"


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 Betreff des Beitrags: Re: Fußstapfen im Schnee
BeitragVerfasst: 02.08.2009, 18:28 
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Saurons Spielzeug
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Oh :| oooooh... :( OOOOH ist das traurig!!! :heul:

Aber schön geschrieben! Wie das kleine Mädchen am Schluss den "Engel" findet... richtig poetisch! Aber dennoch.... Das arme Kind! Ihres wird es ja nicht gewesen sein, nicht? Ist wohl eins aus der Nachbarschaft.

Diese Geschichte erinnert mich sehr an das Mädchen mit den Schwefelhölzern, dass ja auch im Schnee erfroren ist, allerdings aus anderen Gründen, und es starb ohne Angst, da es den Geist seiner Großmutter bei sich wusste.

Oje oje... Ich muss jetzt schleunigst hier raus und was Lustiges lesen... :heul:

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 Betreff des Beitrags: Re: Fußstapfen im Schnee
BeitragVerfasst: 02.08.2009, 18:34 
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Gimlis Bartflechter
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Doch, es soll schon ihres sein... darum umarmt es sie ja am Schluss weinend.
Wollen doch schwer hoffen, dass Nachbarskinder nicht in fremde Gärten einsteigen ^^

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"Wirklich frei macht wahrscheinlich nur der Wahnsinn!"


Zuletzt geändert von Galadriel am 02.08.2009, 18:47, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Fußstapfen im Schnee
BeitragVerfasst: 02.08.2009, 18:40 
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Saurons Spielzeug
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Oooooh weia! Das eigene Kind? Wie kann sie sich umbringen bzw. sich selbst "fahrlässig töten", wenn man so will, wo sie ein kleines Kind hat??? :| Ooooh weia!!! Das ist echt brutal schlimm!

Ich kenne Leute, die haben einen zum Haus gehörenden Garten, wo es zu den Nachbarn keine Zäune gibt und keine Hecken, daher die Idee mit dem Nachbarskind. ;)

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