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     Betreff des Beitrags: Alte Rechnung (/ Ausflug nach Edoras)
    BeitragVerfasst: 12.04.2007, 16:16 
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    X-postet: Zauberfeder

    <span style="font-size:18pt"> Alte Rechnung </span>

    Ich konnte nicht widerstehen, die Geschichte ein zweites Mal aufzuwärmen, allerdings ein wenig anders. Daniel und Robert gehören mir, alle anderen Personen, die hier involviert sind, sind tot oder wissen nichts davon, dass ich sie verwurste. Prost Mahlzeit.

    Dies ist der Plot von Ausflug nach Edoras! Nur dieses Mal in der Jetztzeit, mit Bezug auf Reinkarnation der Hauptpersonen. ALLES frei erfunden. <img src="biggrin.gif" border="0">

    Rating: R (wegen Gewalt und Sex.)
    Pairing: Robert / Daniel, bzw.......? *g* sowie ein Dritter.
    Kat.: Angst/Supernatural/Humor


    Diese Geschichte ist selbstverständlich meinem Herzblatt gewidmet – hättest du mich nicht in dieses blöde Lokal geschleppt, wär das alles natürlich nicht passiert. Oder wollte ICH unbedingt „ZUM GRIECHEN“??? *grinsel* Der Sex ist extra für dich, du wolltest es lesen, bittschön, ich tu doch alles für dich!


    Ich gebe zu: Ich bin inspiriert von einer Story, die ich gerade lese. Nichtsdestotrotz ist es nur die Inspiration, nicht der Plot, der gehört alleine mir, ganz alleine!!! Nur die Idee mit den verschiedenen Zeiten und den Flashbacks, die habe ich mir geliehen insofern, dass ich eben momentan gerade eine wirklich interessante Story lese, die mit ähnlichen Mitteln spielt.

    *





    Schwarze Augen durchbohrten ihn, er spürte, wie es ihm heiß und kalt gleichzeitig wurde. Er wollte nur noch weg, doch es ging nicht, der Dunkle hielt ihn fest, hielt sein Handgelenk fest umspannt, dabei lächelte er, ein Raubtierlächeln, ein Zähnefletschen, ein letzter Gruß vorm Zerfleischen, und jeder Versuch, sich loszureißen, endete im Scheitern. „Je mehr du dich wehrst, desto schöner für mich.“ Eine tiefe Stimme, schwarzer Samt, böse Heimsuchung, Schicksal. Er konnte nicht fliehen, er konnte es nicht, er würde sich ergeben müssen, wie immer, wie jedes Mal, und wie jedes Mal würde ihn sein Körper betrügen, während er den betrog, den er liebte. Denn er zweifelte keinen Moment daran, dass es Betrug war, jedes Mal, da er mit Gewalt dazu gezwungen wurde, denn er war schuld daran, was mussten seine Augen so blau sein, was seine Haare so seidig, was seine Lippen so rosig... er war schuld daran, dass der Dunkle ihn begehrte, und er war schuld daran, dass er untreu sein musste. Und dafür hasste er alle – sich am meisten, den Dunklen dafür, dass er ihm dies antat, und den Goldenen dafür, dass er nichts wusste und ihm nicht half.


    Daniel schreckte hoch aus seinem Traum, seinem immerwährenden, immerkehrenden Albtraum, während Robert friedlich neben ihm schlummerte.

    Zum Glück war er nicht aufgewacht, dachte Daniel, das hätte mir gerade noch gefehlt, dass er mich wieder dabei erwischt, wie ich heule und mit den Zähnen knirsche und irgendwas Wirres von mir gebe, von wegen böser schwarzer Mann und so, Rob hält mich eh schon für irre, für vollkommen abgedreht, ich will ihm da nicht noch mehr in die Hand spielen.

    Seufzend drehte sich Daniel um und versuchte wieder einzuschlafen. Noch einmal würde der Traum sicherlich nicht kommen – nicht so schnell hintereinander, und zum Glück wachte er immer rechtzeitig auf, bevor irgendwas geschah. Vermutlich einfach ein Streich seines Unterbewusstseins, nicht umsonst hieß es ja, wer hat Angst vorm Schwarzen Mann? Und schwarz war der Mann in seinem Traum wahrhaftig, lange schwarze Haare, schwarzer Bart, kohlrabenschwarze Augen – gehüllt in ein seltsames schwarzes Hemd, gegürtet mit einem schwarzen Ledergürtel. Der Schwarze, so nannte Daniel seine Traumgestalt, und nichts anderes als die Personifikation seiner schlimmsten Ängste, eine Allegorie seiner möglichen Ohnmacht, stellte dieser Nachtmahr dar, und als solchen sollte er ihn langsam betrachten, oder zu einem guten Psychologen gehen, aber keinerlei Wichtigkeit ihm zubemessen, und Amen.

    Daniel schloss seine Augen und schlief weiter, traumlos und ruhig, und Robert ließ sich nicht anmerken, wie wach er war und wie besorgt.

    Und wie aufgewühlt.

    Denn ihn selbst plagten Träume, seitdem er mit Daniel zusammen war – und wenn er nicht durch Daniels Schreie wach wurde, dann durch seine eigenen Fieberphantasien, die ihn ständig heimsuchten... Träume von Blut und Hass, von Schmerzen und Eifersucht, von rotglühendem Zorn, von Tod und Untreue. Jede Nacht tötete er – und er bereute nicht. Im Gegenteil, er empfand Genugtuung und Befriedigung, und das beunruhigte Robert auf das Äußerste, denn er war ein friedliebender, gutmütiger Mensch, der stets um das Wohl seiner Lieben besorgt war.

    Alles wäre nicht ganz so beunruhigend gewesen, wenn Daniels Gesicht nicht in seinem Traum auftauchen würde. Daniels blaue Augen, weit aufgerissen, vor Entsetzen, das Erleichterung wich und dann einem Lächeln, als sich der Boden vor ihm rot färbte und der Tod eintrat.


    *

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    Sind meine Dämonen Hasen oder sind meine Hasen Dämonen?




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    Zuletzt geändert von Glorfindel am 12.04.2007, 16:17, insgesamt 1-mal geändert.

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     Betreff des Beitrags: Re: Alte Rechnung (/ Ausflug nach Edoras)
    BeitragVerfasst: 13.04.2007, 10:04 
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    Ach, ich lese diese Reinkarnationsgeschichten einfach ZU gerne, und diesmal hast du es so toll aufeinander abgestimmt. Armer Daniel, wieso erzählt er denn Robert nicht von seinen Träumen, vielleicht würde der es ja verstehen?


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     Betreff des Beitrags: Re: Alte Rechnung (/ Ausflug nach Edoras)
    BeitragVerfasst: 13.04.2007, 11:03 
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    Danke, mein Liebling, aber ich glaube, ich lass das Posten hier, hm? Nicht, dass ich irgendwie gekränkt wäre, weil hier nur gelesen und so gar nicht reviewt wird, vielleicht gefällt die Story halt einfach nicht und sie passt nicht wirklich hier rein.

    Wenn sie jemand doch noch lesen möchte - sie ist in der Zauberfeder schon fertig. Reviewen muss selbstverständlich keiner, mir hat es sehr viel Spaß gemacht, sie zu schreiben. Ich dachte nur, es wäre vielleicht interessant, ein und dieselbe Story in vollkommen anderem Kontext zu lesen.

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     Betreff des Beitrags: Re: Alte Rechnung (/ Ausflug nach Edoras)
    BeitragVerfasst: 21.05.2008, 23:04 
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    Und wo genau finde ich diese Geschichte?
    Zauberfeder?????<img src="http://www.turm-der-buecher.de/_smilies/crazy03.gif">

    Sorry, aber ich war eeeeeeeeeeeeeeeeeeeeewig nicht mehtr hier....man was man Alles verpasst.

    Bütte Bütte lesen will...ich schreib auch ne Review....Beiumeiner Jägerehre!

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    Zuletzt geändert von Lysantos am 21.05.2008, 23:11, insgesamt 1-mal geändert.

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     Betreff des Beitrags: Re: Alte Rechnung (/ Ausflug nach Edoras)
    BeitragVerfasst: 21.05.2008, 23:10 
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    "Zauberfeder" ist der ehemalige "Außenposten" <img src="wink.gif" border="0">

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    Zuletzt geändert von Prof. Severus Snape am 21.05.2008, 23:10, insgesamt 1-mal geändert.

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     Betreff des Beitrags: Re: Alte Rechnung (/ Ausflug nach Edoras)
    BeitragVerfasst: 21.05.2008, 23:13 
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    Aha....und wie komm ich da hin...Unwissend und verwirrt daherschau....

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     Betreff des Beitrags: Re: Alte Rechnung (/ Ausflug nach Edoras)
    BeitragVerfasst: 21.05.2008, 23:19 
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    Ahso - sorry, hätte sein können, dass du die Url noch hast... ähm... irgendwo *gg*

    <a target="_blank" href="http://17151.rapidforum.com">http://17151.rapidforum.com</a>

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     Betreff des Beitrags: Re: Alte Rechnung (/ Ausflug nach Edoras)
    BeitragVerfasst: 21.05.2008, 23:38 
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    <br><table width="90%" cellspacing="1" cellpadding="3" border="0" align="center"><tr> <td><span class="genmed">Zitat:</span></td></tr><tr><td class="quote"><br>Prof. Severus Snape schrieb am 21.05.2008 22:19 Uhr:
    Ahso - sorry, hätte sein können, dass du die Url noch hast... ähm... irgendwo *gg*

    <a target="_blank" href="http://17151.rapidforum.com">http://17151.rapidforum.com</a>
    <br></tr></td></table><br>

    Du brauchst dich da echt nicht zu entschuldigen...ICH bin hier der Schlamper...grins!

    Danke!!!!

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     Betreff des Beitrags: Re: Alte Rechnung (/ Ausflug nach Edoras)
    BeitragVerfasst: 23.05.2008, 12:20 
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    Schade, dass die Story hier so wenig Beachtung fand. So eile ich mal Lysantos hinterher und schaue im Außenp... äh unter Zauberfeder nach. Bin schon ganz neugierig.

    Ha, es hat sich so einiges getan... ich war definitiv zu lange nicht mehr im VS.

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    Man muss ja nicht unbedingt in die alten Fehler verfallen. Wahrhaft belebend dürften ganz neue wirken.
    Gerd W. Heyse


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     Betreff des Beitrags: Re: Alte Rechnung (/ Ausflug nach Edoras)
    BeitragVerfasst: 23.05.2008, 16:38 
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    Ich konnte sie in der Zauberfeder leider nicht finden...

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     Betreff des Beitrags: Re: Alte Rechnung (/ Ausflug nach Edoras)
    BeitragVerfasst: 23.05.2008, 16:57 
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    Seufz! Verloren.....verschollen.......

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     Betreff des Beitrags: Re: Alte Rechnung (/ Ausflug nach Edoras)
    BeitragVerfasst: 23.05.2008, 16:58 
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    <br><table width="90%" cellspacing="1" cellpadding="3" border="0" align="center"><tr> <td><span class="genmed">Zitat:</span></td></tr><tr><td class="quote"><br>seniwallenstein schrieb am 23.05.2008 11:20 Uhr:


    Ha, es hat sich so einiges getan... ich war definitiv zu lange nicht mehr im VS.<br></tr></td></table><br>


    Willkommen in Club......

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     Betreff des Beitrags: Re: Alte Rechnung (/ Ausflug nach Edoras)
    BeitragVerfasst: 24.05.2008, 08:23 
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    ... wenn ihr sie wirklich lesen wollt (wer kann ahnen, dass ihr meine Uralt-Stories ausgrabt? *g*), setz ich sie noch mal hoch.....

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     Betreff des Beitrags: Re: Alte Rechnung (/ Ausflug nach Edoras)
    BeitragVerfasst: 24.05.2008, 10:03 
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    Schwarze Augen durchbohrten ihn, er spürte, wie es ihm heiß und kalt gleichzeitig wurde. Er wollte nur noch weg, doch es ging nicht, der Dunkle hielt ihn fest, hielt sein Handgelenk fest umspannt, dabei lächelte er, ein Raubtierlächeln, ein Zähnefletschen, ein letzter Gruß vorm Zerfleischen, und jeder Versuch, sich loszureißen, endete im Scheitern. „Je mehr du dich wehrst, desto schöner für mich.“ Eine tiefe Stimme, schwarzer Samt, böse Heimsuchung, Schicksal. Er konnte nicht fliehen, er konnte es nicht, er würde sich ergeben müssen, wie immer, wie jedes Mal, und wie jedes Mal würde ihn sein Körper betrügen, während er den betrog, den er liebte. Denn er zweifelte keinen Moment daran, dass es Betrug war, jedes Mal, da er mit Gewalt dazu gezwungen wurde, denn er war schuld daran, was mussten seine Augen so blau sein, was seine Haare so seidig, was seine Lippen so rosig... er war schuld daran, dass der Dunkle ihn begehrte, und er war schuld daran, dass er untreu sein musste. Und dafür hasste er alle – sich am meisten, den Dunklen dafür, dass er ihm dies antat, und den Goldenen dafür, dass er nichts wusste und ihm nicht half.


    Daniel schreckte hoch aus seinem Traum, seinem immerwährenden, immerkehrenden Albtraum, während Robert friedlich neben ihm schlummerte.

    Zum Glück war er nicht aufgewacht, dachte Daniel, das hätte mir gerade noch gefehlt, dass er mich wieder dabei erwischt, wie ich heule und mit den Zähnen knirsche und irgendwas Wirres von mir gebe, von wegen böser schwarzer Mann und so, Rob hält mich eh schon für irre, für vollkommen abgedreht, ich will ihm da nicht noch mehr in die Hand spielen.

    Seufzend drehte sich Daniel um und versuchte wieder einzuschlafen. Noch einmal würde der Traum sicherlich nicht kommen – nicht so schnell hintereinander, und zum Glück wachte er immer rechtzeitig auf, bevor irgendwas geschah. Vermutlich einfach ein Streich seines Unterbewusstseins, nicht umsonst hieß es ja, wer hat Angst vorm Schwarzen Mann? Und schwarz war der Mann in seinem Traum wahrhaftig, lange schwarze Haare, schwarzer Bart, kohlrabenschwarze Augen – gehüllt in ein seltsames schwarzes Hemd, gegürtet mit einem schwarzen Ledergürtel. Der Schwarze, so nannte Daniel seine Traumgestalt, und nichts anderes als die Personifikation seiner schlimmsten Ängste, eine Allegorie seiner möglichen Ohnmacht, stellte dieser Nachtmahr dar, und als solchen sollte er ihn langsam betrachten, oder zu einem guten Psychologen gehen, aber keinerlei Wichtigkeit ihm zubemessen, und Amen.

    Daniel schloss seine Augen und schlief weiter, traumlos und ruhig, und Robert ließ sich nicht anmerken, wie wach er war und wie besorgt.

    Und wie aufgewühlt.

    Denn ihn selbst plagten Träume, seitdem er mit Daniel zusammen war – und wenn er nicht durch Daniels Schreie wach wurde, dann durch seine eigenen Fieberphantasien, die ihn ständig heimsuchten... Träume von Blut und Hass, von Schmerzen und Eifersucht, von rotglühendem Zorn, von Tod und Untreue. Jede Nacht tötete er – und er bereute nicht. Im Gegenteil, er empfand Genugtuung und Befriedigung, und das beunruhigte Robert auf das Äußerste, denn er war ein friedliebender, gutmütiger Mensch, der stets um das Wohl seiner Lieben besorgt war.

    Alles wäre nicht ganz so beunruhigend gewesen, wenn Daniels Gesicht nicht in seinem Traum auftauchen würde. Daniels blaue Augen, weit aufgerissen, vor Entsetzen, das Erleichterung wich und dann einem Lächeln, als sich der Boden vor ihm rot färbte und der Tod eintrat.

    *

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     Betreff des Beitrags: Re: Alte Rechnung (/ Ausflug nach Edoras)
    BeitragVerfasst: 24.05.2008, 10:03 
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    „Ich glaube, ich nehme den Achilles-Teller, was meinst du?“

    Daniel grinste Robert an. „Ja, KLAR, den Achilles-Teller für meinen Alexander, was sonst... lass mal sehen, was da drauf ist. Aha. Lammsteak, Gyros, Souvlaki und Souzuki. Souvlaki sind die Spieße, oder?“

    „Ja, aber was ist Souzuki?“ Robert guckte ratlos.

    „Ha, ich weiß, was das ist!“ triumphierte Daniel. „Das ist, das ist.....“

    „Ja, was?“ fragte Robert ungeduldig.

    „Naja, das ist – Gedöns!“ Daniel lachte, ihm war entfallen, wie er es beschreiben konnte. Robert fiel in das Gelächter ein, Daniel konnte sehr unterhaltsam sein.

    Sie entschieden sich beide für den Achilles-Teller und ein Kellner eilte herbei, den beide nur aus den Augenwinkeln wahrnahmen, weil sie die letzten Stunden miteinander nur Augen füreinander hatten, und nahm ihre Bestellung auf.

    „Um noch mal auf Alex und Heph zurück zu kommen...“

    Robert warf Daniel einen nun offensichtlich gequälten Blick zu. „Liebling, können wir die beiden heute nicht mal in Frieden ruhen lassen? Es ist unser letzter Abend, und--- ...“

    „Ja, schon, aber schau mal, Rob, meinst du wirklich, dass Alex Heph geliebt hat, wenn er ständig mit anderen rumgevögelt hat?“

    Robert kniff die Augen zusammen und lehnte sich vor. „Hase. Ich bin sicher, dass dein heiliger Heph es ebenso heftig getrieben hat. Was mir noch eingefallen ist auf der Autofahrt vorhin,“, „- du meinst, als du mit 80 Sachen bei Rot über die Ampel gefahren bist?“ unterbrach ihn Daniel kichernd, und Robert zog strafend seine Augenbrauen zusammen. „Also, was mir noch eingefallen ist, vorhin, ist, dass Heph ja auch verheiratet war, mit Dyrpetis oder so ähnlich.“ „Drypetis.“ „Von mir aus, wie auch immer. Also mit der Schwester von Stateira. Meinst du, der hat die nicht auch ständig genagelt? Alex und er wollten doch Geschwisterkinder – denkst du, die fallen vom Himmel?“

    Daniel neigte den Kopf. „Ich glaub das trotzdem nicht.“

    Robert lächelte. „Jaja, ich weiß. Der treue, keusche Heph, bald wird er heilig gesprochen. Und der böse, geile Alex. Keine Ahnung, warum du das glaubst. Und bevor du es auf den Tisch bringst: Ja, Alex konnte sich wohl auch nicht entscheiden, ob Männlein oder Weiblein, und warum hätte er auf beides verzichten sollen? Und jetzt gibt’s bald lecker Essen, und gut. Trink noch einen Ouzo, Liebling, auf uns!“

    „Er hat ganz bestimmt nur Alex geliebt!“ sagte Daniel leise und kippte den Ouzo, den Robert ihm reichte, mit einem Schluck. Scharfe Aniswärme durchzog ihn. Er nahm ein Stück Weißbrot und tauchte es gedankenverloren in den weißen Retsina.

    Der Geschmack von Brot und geharztem Wein traf ihn wie ein Schlag.


    „Mach den Mund auf, Knabe.... komm schon. Es ist gut, du wirst sehen.“

    Ich weiß, dass es gut ist, du musst mich nicht füttern... jetzt nicht und niemals.

    Das Brot, der Wein, das Harz – es verschmolz in seinem Mund zu einer wahren Orgie von Düften, zu einem berauschenden kleinen Festmahl.

    „Wehr dich nicht mehr, mein Schöner. Gib es einfach zu. Gib einfach auf.“

    NIEMALS.

    Der Duft stieg in seinen ganzen Körper, machte ihn vibrierend, erwärmte ihn, machte ihn schwindelnd. Er trank kaum, obwohl man erzählte, er trinke Wein unverdünnt, doch er trank nur Wasser, mit einem Tropfen Wein darin. Der pure Wein entführte ihn, in eine andere Welt, wo alles anders war, alles erlaubt, alles aufregend und gut. Keine Rechtfertigung, nichts, nur er, der Wein, und nackte Haut... dampfend vor Leidenschaft, und er, ja, er.... er, der nicht da sein dürfte, den er hasste, der ihn jetzt hielt, in seinen Armen, mit Brot und Wein fütterte, nachdem – oh ja, nachdem. Nachdem es wieder geschehen war, wieder und wieder, gegen seinen Willen, den Willen seines Kopfes, aber nicht gegen den Willen seines Körpers. Und was war auch dabei, wenn er länger darüber nachdachte – war es nicht gerecht? Es war nur ZU gerecht. Warum nicht. Warum auch nicht!!! Dann sollte es eben so sein! Er nahm ihm den Krug aus der Hand, den Krug mit dem unverdünnten Wein, und trank aus ihm... mit langen Zügen, durstig, durstig nach Leben, nach Wildheit, nach Rausch.

    „Daniel?“

    Robert sah Daniel besorgt an, der sein Weinglas umgeworfen hatte und Robert nun aus ausdruckslosen Augen anstarrte.

    Daniel war nicht hier.


    *

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     Betreff des Beitrags: Re: Alte Rechnung (/ Ausflug nach Edoras)
    BeitragVerfasst: 24.05.2008, 10:03 
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    „Morgen musst du leider wieder fahren, Liebling. Sollen wir noch mal was Schönes unternehmen am Abend?“

    Robert strich Daniel durch die Haare und sah ihn fragend an. Leider mussten sie sich immer wieder örtlich trennen, da sie nicht zusammen wohnten, aber die Zeit, die sie miteinander verbrachten, war dafür um so schöner und intensiver.

    Wenn die Träume nicht wären, dachte Robert, als ihn Daniel lächelnd ansah. Wenn ich nur nicht ständig so schlimm träumen würde, wenn du bei mir bist. Und wenn du dabei nicht lächeln würdest, mein Herz. Wenn du nicht lächeln würdest, wenn ich ihn töte.

    Mein geliebtes Monster. Was geht in dir vor, in meinen Träumen? Warum lächelst du, wenn das Blut fließt?



    Daniel nickte. „Ich würde gerne wieder mal was Tolles essen. Zum Italiener oder zum Mexikaner?“

    Robert lächelte Daniel an. „Wir waren auch noch nie beim Griechen in der Stadt, du kennst nur das eine Lokal, du willst ja immer nur dorthin, wo du schon mal warst... was hältst du von Griechisch?“

    „Griechisch ist toll!“ rief Daniel fast enthusiastisch und umarmte Robert stürmisch. „Griechisch ist geil, ich LIEBE Griechisch, weißt du doch, mein Alexander!“

    Roberts Lächeln wurde gequälter. Immer diese Alexander-Geschichte, Daniel war nahezu besessen von Alexander dem Großen – bereits seit seiner Kindheit hatte sich diese Obsession herauskristallisiert, Daniel besaß sicherlich die größte Alexander-Bibliothek von ganz Europa - und dieser Film vor zwei Jahren hatte fast zum Bruch zwischen ihnen geführt, weil Daniel sich so in die Rolle des Hephaistion hineingesteigert hatte, des unglücklichen, ach so verlassenen Geliebten, dass er seine glückliche Beziehung zu Robert fast risikiert hätte. Die Sache war aber wieder verflacht und ab und zu witzelte Daniel noch herum, so wie jetzt, und Robert nahm es gelassen hin. Gut, dann Griechisch, mein Hephaistion, dachte er, hütete sich aber davor, dies laut auszusprechen.

    „Was denkst du, Rob – hatte Heph auch noch andere Lover neben Alex, nachdem der ihn ständig betrogen hat?“

    OH GODS, dachte Robert, nicht schon wieder diese müßige Diskussion, die bislang noch niemals zu etwas Gutem geführt hatte. Warum habe ich bloß den Griechen erwähnt, wären wir doch zum Italiener gegangen. In Gottes Namen, ich bin selbst schuld, also gut.

    „Ja, sicher, was denkst du denn? Glaubst du wirklich, der war so ein braves, unglückliches Schwuchtelchen wie der Leto in dem Alexander-Film? Du vergisst immer, dass er ein General war, ein machtvoller Mann, einer, der sich gerne herumgestritten hat, vor dem man Angst hatte...“

    „Glaubst du?“ Daniels blaue Augen sahen interessiert in Roberts grünbraune.

    „Ja, glaub ich. Der hatte auch seine Kerle oder was auch immer, glaubst du, der hat ins Kissen geheult, wenn Alexander Bagoas oder Roxane gevögelt hat?“

    Daniel schaute etwas enttäuscht. „Ja, glaub ich ehrlich gesagt. Ich denke, Hephaistion war supertreu, für den gab es nur Alexander.“

    Robert lachte und küsste Daniel. „Du bist manchmal wirklich herrlich naiv und sooooo romantisch... Hase, du irrst dich, glaub mir, Hephaistion hat schon geschaut, wo er bleibt.“

    „Glaub ich nicht. Du willst ja nur Alexander rechtfertigen, der alles gefickt hat, was nicht bei 10 auf den Bäumen war!“

    Robert lachte noch lauter, dann wurde er ganz leise. „Das wiederum glaube ich nicht, Danny. Alexander war nicht so, er hat sich sehr genau ausgesucht, mit wem er ins Bett geht. Und dass er Hephaistion geliebt hat, daran zweifle ich nicht. Auch wenn er mit anderen – du weißtschon was – aber er war kein Hurenbock.“

    „Wenn du meinst.“ Daniel hatte die Lust an der Diskussion verloren und genau das hatte Robert im Stillen auch bezweckt, denn diese Art von Gesprächen führten meistens zu Streitereien, und dazu war Robert die Zeit mit Daniel zu schade.


    *

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     Betreff des Beitrags: Re: Alte Rechnung (/ Ausflug nach Edoras)
    BeitragVerfasst: 24.05.2008, 10:04 
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    Diesmal ließ er seine Augen offen. Er schloss sie nicht, um sich selbst zu betrügen, dieses Mal sollte er sehen, und den Betrug genießen, in vollen Zügen. Er hatte es sich verdient, er durfte es tun, er wollte es tun. Es gehörte ihm, ganz alleine, all die Lust, die Spannung, das Abenteuer. Warum auch nicht – schließlich waren sie alleine, keiner war da, der etwas sagen konnte, sagen durfte – sie waren alleine, weggeschickt von IHM und das Risiko war da – und es war nicht seine Schuld! Würde es zu seiner Schuld, wenn er nun die Augen aufließ? Wenn er den schwarzen Augen nachgeben würde, wenn er den großen rauen Händen gestatten würde, ihn zu berühren, wenn er -?

    Es geschah. Und er wollte es. Und es war besser als es jemals zuvor war, da er sich noch gewehrt hatte. Nun gab er nach, gab er auf, und sein Hass wurde größer als je zuvor, da er sich selbst aufgab. Er würde Rache schwören, auf jeden Fall, nach diesem Feldzug würde er abrechnen, so oder so, aber jetzt würde er es genießen, den freien Fall, den absoluten Niedergang, den ultimativen Rausch.


    „Daniel???“

    Robert breitete die Serviette dort aus, wo der Wein ins Tischtuch eingezogen war und Daniel schüttelte kurz seinen Kopf, als sei er erwacht, und starrte Robert ungläubig an.

    „Alles okay mit dir, Liebling?“

    Daniel nickte kurz und nahm dann den Teller, der bereits vor ihm stand, und fing an zu essen.

    Auch Robert begann mit seinem Mahl, allerdings hatte er immer ein Auge auf seinen Freund, dessen seltsames Benehmen eben ihm einen Schrecken eingejagt hatte. Konnte es sein, dass Daniel einen kleinen epileptischen Anfall hatte? Robert war Dr.-House-Fan und sofort fing er an, diesen kleinen Ausraster zu diagnostizieren.

    Daniel war der Appetit allerdings vergangen. Er sah vor seinem inneren Auge ständig den schwarzen Mann, der sich über ihn beugte, der ihn berührte, dessen schwarze, durchbohrende Augen, sein spöttisches Grinsen, und, verdammt, er war erregt, er hatte eine unglaubliche Erektion beim Gedanken an diesen Mann, den er nicht kannte, nur aus seinen Träumen, und aus dieser kleinen Fantasie-Szene eben, die er sich gestattet hatte, weiß der Teufel, wieso es ihn so überkommen hatte, er hätte mit Robert noch mal ins Bett gehen sollen, bevor sie essen gingen, als kleiner Aperitif, sozusagen, oder was war mit ihm los, war was in dem Wein, oder in dem Ouzo, oder was?


    Daniel rutschte unruhig auf seinem Stuhl hin und her und aß ein Stückchen Gyros, dann ein wenig Reis, zog den Spieß aus dem Souvlaki und zerrupfte das Souzuki, um dann schlussendlich ein Chaos auf seinem Teller zu hinterlassen, fast nichts gegessen, und er fühlte sich, als sei er gemästet. Er war satt, übersatt.

    Hat er gedacht, dass nichts passiert oder wieso hat er uns beide, ausgerechnet uns beide, auf diese Mission geschickt? Was er sich so denkt. Er denkt sich gar nichts, er tut nur, was er gerne möchte, und dass andere etwas tun könnten, daran denkt er nicht. Stattdessen hat er mich in diese Lage gebracht, mich diesem schwarzen Bastard ausgeliefert, der mir sagte, wie schön meine Augen doch wären und wie schön ich sei und nach einigen Tagen hatte er endlich, was er wollte – zunächst mit Gewalt, und nun will ich es auch. Das hast du davon, wolltest du das? Ist auch egal, du hast mich nicht gerettet, und nun ist es zu spät.


    „Hat es nicht geschmeckt?“

    Der Kellner sah auf Daniel herunter, der den Teller mit fast dem ganzen Essen von sich geschoben hatte.

    Ohne den Kellner anzusehen schüttelte Daniel den Kopf und murmelte, es wäre phantastisch gewesen.

    Oh ja, es war phantastisch.

    *

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     Betreff des Beitrags: Re: Alte Rechnung (/ Ausflug nach Edoras)
    BeitragVerfasst: 24.05.2008, 10:04 
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    „Vielleicht haben Sie ja noch Appetit, ich lasse Ihr Essen noch hier. Hat es Ihnen geschmeckt?“ wandte sich der Kellner nun an Robert, dessen Teller vollkommen leergefegt war. Offenbar hatte es Robert geschmeckt.

    Daniel schob seinen Teller weiter nach rechts, vielleicht aß er ja wirklich noch etwas. Man konnte nie wissen, ganz recht.

    Es dauerte keine 5 Minuten und der Kellner eilte wieder heran, dieses Mal hatte er ein Dessert dabei, das er vor Robert und Daniel stellte – eine Kugel griechischer Joghurt mit Honig und Nüssen.

    Das erste Mal, dass Daniel ihn ansah.


    Schwarze Augen durchbohrten ihn, er spürte, wie es ihm heiß und kalt gleichzeitig wurde. Er wollte nur noch weg, doch es ging nicht, der Dunkle hielt ihn fest, hielt sein Handgelenk fest umspannt, dabei lächelte er.

    Der Kellner hatte sein Handgelenk umfasst, lächelte.

    „Mach den Mund auf, Knabe.... komm schon. Es ist gut, du wirst sehen.“

    „Eine Aufmerksamkeit des Hauses... probieren Sie, es ist gut!“

    Daniel starrte auf die große Hand, die nach seiner linken Hand fasste.



    Robert spürte, wie etwas bis hoch in seinen Hals schlug.

    Sein Puls.

    Schnell.

    Er sah sie.

    Er sah den großen Schwarzen, wie er ihn umarmte. Und er wehrte sich nicht, im Gegenteil, er erwiederte die Umarmung, lachte, warf seine Haare nach hinten.

    Das darf nicht wahr sein.

    Ausgerechnet.

    Das hätte er nie gedacht.

    Nicht von den beiden. Niemals. Aber es war so, zweifelsohne, und blutroter Zorn erfüllte ihn, heißglühend wie Lava.

    Jetzt nicht, nicht jetzt.

    Lass sie gehen.

    Es ist alles meine Schuld, nur meine. Und seine Schuld. Er musste sich an mir rächen, ich hätte es ahnen müssen – er wollte mir zeigen, wer stärker ist. Er wollte es mir immer schon zeigen. Auch damals, im Kydnos, als er mich aus dem Wasser zog. Er hat mich gerettet – um mir zu zeigen, wie stark er ist. Und nun – zeigt er es mir wieder. Er zeigt mir, wer er ist – und die Art und Weise, wie er es zeigt, war auch klar. Ich Narr. Und ich schicke sie zusammen weg. Wie kurzsichtig kann man sein????


    Daniel stach mit seinem Löffel ein Stück Joghurt ab.

    „Alles in Ordnung mit dir?“ fragte er Robert, der immer noch vor sich hin starrte.

    Robert nickte, wie in Zeitlupe.

    „Ja. Und mit dir auch?“

    Daniel lachte, es klang gekünstelt. „Ja, klar.“

    „Er hat dich angegrabscht.“ Robert legte den Löffel weg.

    Daniel nahm einen weiteren Löffel Joghurt. „Ja, ich hab’s mitbekommen. Unfassbar, was?“ Er lachte wieder, vollkommen unnatürlich.

    „Mit dir kann man nirgends hingehen!“ Robert bemühte sich ebenfalls um ein Lächeln. „Vermutlich deine blauen Augen, da fährt der voll drauf ab, der glotzt dich schon die ganze Zeit so an.“

    „Ich trau mich gar nicht, aufs Klo zu gehen!“ witzelte Daniel und kratzte den Teller leer.

    „Würde ich dir auch nicht raten, der wartet sicher drauf und kaum bist du um die Ecke verschwunden, geht er dir hinterher und...“

    „Und...?“ fragte Daniel weiter, spielerisch mit dem Löffel in der Luft Kreise ziehend.

    Robert beugte sich vor. „Dann reißt er dir die Klamotten vom Leib und nimmt dich sofort. Als Gleitmittel benutzt er die Pomade, die er sicherlich literweise in seinen schmierigen langen schwarzen Haaren hat!“

    „Aha. Und du?“

    „Ich sitze hier und warte, bis du wieder kommst. Frisch abgebügelt von deiner griechischen Romanze!“

    Ich sitze hier und warte, bis sie fertig sind. Ich höre sie, ich sehe sie nicht, aber ich kann mir sehr gut vorstellen, was passiert. Sie sind ja laut genug. Und sie wissen nicht, dass ich schon wieder da bin.
    Ich könnte sie überraschen. Das könnte ich, sollte ich aber nicht, ich müsste sie sonst beide töten.

    Daniel lachte, dieses Mal klang er heiter.

    „Was du wieder denkst, also, deine Phantasien möchte ich gerne mal haben!“

    Daniel legte den Geldbeutel hoch. „Ich zahle, ok? Du bist eingeladen, Hase. Hallo??? Können wir bitte zahlen?“


    *

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     Betreff des Beitrags: Re: Alte Rechnung (/ Ausflug nach Edoras)
    BeitragVerfasst: 24.05.2008, 10:04 
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    Der Kellner nahte und brachte zwei Zettel mit, den ersten legte er vor Robert. Daniel griff danach, aber der Kellner war schneller und wieder lag dessen prankenartige Hand auf Daniels Hand.

    „Das ist nicht für Sie!“ lächelte er und nahm Daniels Hand, um sie zurückzulegen.

    Das ist nicht für dich!

    Kleitos lächelte, während er Hephaistion an der Hand nahm und zu sich zog.

    Alle Augen waren auf die beiden gerichtet und auf Alexander, der sich noch auf der Liege befand und sich kaum noch beherrschen konnte. Er griff nach einem Apfel und warf ihn nach Kleitos, traf den großen schwarzhaarigen Mann auch am Kopf, doch der lachte nur und küsste den widerstrebenden Chiliarchen.

    „Zu Philipps Zeiten, da wusste man noch in Makedonien, wer ein Mann war und wer ein Knabe!“ höhnte Kleitos und legte seinen Arm um Hephaistion, der sich im Zwiespalt befand: Sollte er schlichten, sollte er Kleitos beruhigen oder Alexander?

    „Doch nun regieren Knaben, und Männer, Männer wie ich, wir werden von Knaben regiert. Wir müssen unsere Knie beugen vor den Knaben, nicht andersherum, wie es doch die Natur gebietet. Oder hat man jemals, zu Philipps Zeiten, einen Mann auf Knien vor einem Knaben gesehen?“

    Wüstes Gelächter der alten Makedonen, empörtes Zischen und Rufe der Jungen.

    „Dieser hier, Hephaistion, der Knabe Alexanders... er weiß noch, wie man einen Mann behandelt!“

    Hephaistion riss sich los. „Du Schwein, du verfluchtes Stück Dreck!“

    „Halt dein verdammtes Maul, oder du wirst es bereuen!“ Alexanders klare Stimme übertönte den ganzen Lärm, der sich in den letzten Momenten in dem Saal gebildet hatte.

    „Ich?“ Kleitos sah wieder zu Hephaistion, dann zu Alexander.

    „Ich sage die Wahrheit, Makedonen! Und es wird Zeit, dass ihr erkennt, wer auf dem Thron sitzt, und wer gleich daneben! Ich werde nicht länger schweigen, Alexander, und ich – ..“

    Die Lanze kam schneller als die nächsten Worte, und Kleitos brach wortlos zusammen. Alexander stürzte herbei und riss die Lanze heraus, das Blut spritzte rot in heller Fontäne hervor und traf den jungen König überall.

    Hephaistions Augen traten aus den Höhlen, blankes Entsetzen, zunächst, doch dann sah ihn Alexander an, und Hephaistion lächelte.

    Er war frei.


    Die Hand des Kellners auf Daniels Hand.

    Robert sah rot.

    Er griff so schnell zu, dass keiner reagieren konnte, griff nach dem Souzuki-Spieß und rammte ihn dem Kellner in die Hand.

    Daniel starrte auf das Blut, und Robert riss den Spieß wieder heraus.

    „Verschwinde hier!“ rief er Daniel zu und die beiden Männer verließen fluchtartig das Lokal, den fluchenden Kellner hinter sich lassend.

    Außer Atem rannten sie zwei, drei Straßen weiter. Es war stockdunkel in der Stadt, nach Mitternacht, die Laternen waren nur noch auf Sparkurs, alle 3 Laternen brannte mal eine.

    Sie blieben stehen, in einem Hof, der zu einem längst verlassenen Haus gehörte. Zerbrochene Fenster zeigten an, dass hier niemand mehr wohnte.

    „Los, hier rein!“ dirigierte Robert, und Daniel folgte ihm.

    An der Mauer packte Robert Daniel, küsste ihn, wild und fordernd. Blut klebte an Roberts Händen, das Blut des Griechen, und als er Daniels Gesicht berührte, da zeichnete er seinen Geliebten mit dem Blut, und Daniel schloss die Augen.

    „Verschwinde hier!“ schrie Alexander und zerrte Hephaistion am Arm weg von dem Sterbenden.

    In Alexanders Gemach wartete bereits Bagoas, doch Alexander, von Kopf bis Fuß mit Kleitos’ Blut besudelt, bot einen derartig erschreckenden Anblick, dass Bagoas floh wie vor einem Geist. Hephaistion wollte etwas sagen, doch Alexander hielt ihm den Mund zu. „Ich will nichts hören, will nichts mehr hören, gar nichts, weder von ihm noch von dir, sonst muss ich dich auch töten!“ flüsterte er und seine Hände, rot vor Blut, fuhren über Hephaistions Gesicht, zerrissen seine Gewänder, und Alexander nahm in Besitz, was ihm nicht mehr gehört hatte.

    Robert stöhnte auf, als er kam, und Daniels Ellenbogen waren zerschrammt, so hart war er an die Mauer gedrückt worden, aber es war gut so, es war endlich gut.

    „Du Schlampe“, keuchte Robert und küsste Daniels Halsbeuge von hinten, „du Schlampe hast es also wirklich mit ihm getrieben....“

    „Hab ich nicht!“ gab Daniel zurück. „Das hättest du ja wohl bemerkt!“

    „Hast du doch, mein Hephaistion. Und ich war nicht traurig, als ich ihn tötete. Dieses Mal hat er mehr Glück gehabt, dein Kleitos. Aber wenn ich ihn noch mal erwische...“


    Daniel schloss seine Augen.

    „Mein – Alexander....“ flüsterte er.





    *finis*

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     Betreff des Beitrags: Re: Alte Rechnung (/ Ausflug nach Edoras)
    BeitragVerfasst: 24.05.2008, 11:32 
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    Danke...Danke....Danke!!!!!!!!!!!!!!!!!!
    Ich kann sie erst später mal lesen....der Dienst ruft....Danke für meine Feierabendlektüre..............

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