Ein bisschen Freundschaft ist mir mehr wert als die Bewunderung der ganzen Welt. (Otto Fürst von Bismarck)




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 Betreff des Beitrags: Kleine Helden – "Klein zu sein ist schwer…"
BeitragVerfasst: 18.09.2007, 23:40 
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Saurons Spielzeug
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Titel: Kleine Helden – "Klein zu sein ist schwer…"
Autorin: Niniel of Gondor
Charakter: Haldir, Celeborn
Rating: FSK 6

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Kleine Helden – "Klein zu sein ist schwer…"

Vor langer langer Zeit lebte in einem fernen Land ein kleiner Elb, der mutiger war als alle anderen Elblinge seines Alters. Furcht war ihm fremd, denn er hatte vor nichts und niemandem Angst. Während er am Tage mit seinem Holzschwert in den Kampf zog, träumte er nachts davon, ein großer und berühmter Krieger zu sein. Seine kleine Welt wäre perfekt – wäre da nicht die Tatsache, dass er nicht zu den Größten zählte. Alle Elblinge waren größer als er und das machte ihn sehr traurig.

Auch heute war es wieder einmal soweit. Mit Tränen in den Augen saß Haldir auf der Fensterbank des Fleets seiner Zieheltern und sah in den sternübersäten Nachthimmel. Direkt neben ihm stand ein Stuhl, ohne den er nicht zu seinem Aussichtspunkt gekommen wäre. Nicht einmal das konnte er alleine!

"Vielleicht bin ich gar kein Elb", murmelte Haldir in die Stille und berührte seine Ohren, die eindeutig spitz waren. Also war eigentlich kein Irrtum möglich. Und doch hatte er nicht gerade eine elbische Größe vorzuweisen. "Vielleicht bin ich ja auch nur ein halber Elb." Er hatte seine Eltern nie kennen gelernt – also war es theoretisch auch möglich, dass er von einem Hobbit oder noch schlimmer, von einem Zwerg abstammte.

Dem Elbling wurde bei diesem Gedanken schlecht und er tastete ängstlich sein Gesicht ab. Nichts. Kein Anzeichen eines Bartes. Langsam glitt sein Blick zu seinen bloßen Füßen hinab. Doch auch dort war keine Beharrung zu erkennen. Trotzdem stellte sich kein Gefühl von Erleichterung ein. Vielleicht zeigten sich diese Merkmale ja erst, wenn er erwachsen war. Und dann war sowieso alles zu spät. Niemals hatte Mittelerde einen berühmten Krieger gekannt, der am ganzen Körper behaart wie ein Tier war. Ausstoßen würde man ihn und dann wäre er nicht nur klein und unelbisch, sondern auch noch ohne Heimat und Zuflucht.

Dicke Tränchen rollten bei dieser Zukunftsvision über seine Wangen und tropften auf das schon etwas mitgenommene Fell seines Stoffferkels Oink. Wenige Sekunden später flog sein stummer Freund durch das ganze Zimmer und landete auf dem Boden. "Wer ein Ferkel zum Freund hat, kann doch nur von einem Hobbit abstammen", brachte Haldir wütend hervor und vergrub sein Gesicht in den kleinen Händchen.

Immer mehr Gründe fielen ihm ein, die seine Vorahnung bestätigten. Denn er war nicht nur klein, er konnte auch nicht mit Pfeil und Bogen umgehen, weswegen er von den großen Elben ausgelacht wurde. Wie er dieses Geplauder hasste! Manchmal wurde er dann wütend und warf seinen Bogen frustriert zu Boden oder sein Gesicht wurde vor Verlegenheit rot wie Feuer und er lief weinend vom Übungsplatz. Dabei lachten die anderen Elben ihn gar nicht aus, sondern schmunzelten über den Mut, den er schon jetzt besaß. Woher sollte Haldir auch wissen, dass sich Elblinge in seinem Alter nicht für Waffen interessierten? Für ihn war es normal. Ebenso normal, wie mit Vorliebe von einer Pfütze in die nächste zu springen und sich dabei dreckig zu machen. Auch damit war er in seinen Augen alleine, denn Elben waren reinliche Wesen und schmückten sich lieber mit Feder und Blüte, nicht aber mit Schmutz. Im Gegenteil zu den Zwergen. Sie hausten in einer Höhle und wühlten im Dreck.

Ein erschrockener Gedanke kam Haldir und er sah unter Tränen auf seinen Bauch. Seine Brüder hatten ihn oftmals damit aufgezogen, dass er für einen Erstgeborenen ein wenig zu dick war. Auch Zwerge gehörten nicht unbedingt zu den grazilsten Wesen. So Vieles sprach dagegen, dass er ein Elb war und noch viel mehr dafür, dass er eben ein Zwerg oder ein Hobbit war. Oder noch viel schlimmer – ein Zwerbit oder ein Hobbirg. Ein Wesen, das es eigentlich nicht gab. Vor seinem inneren Auge spielte ihm seine Fantasie einen Streich, er sah wie man ihn auf einer kleinen und verlassenen Insel aussetze, nur damit er keine Schande über den goldenen Wald brachte.

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 Betreff des Beitrags: Re: Kleine Helden – "Klein zu sein ist schwer…"
BeitragVerfasst: 18.09.2007, 23:41 
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Die Tränchen rollten unaufhörlich und schließlich fasste er einen Entschluss. Er würde Lorien verlassen, bevor er von seinen Zieheltern verstoßen wurde. Entschlossen kletterte Haldir von der Fensterbank und packte seine sieben Sachen zusammen. Sein Rucksack war auch nicht gerade groß, aber letztendlich passte doch alles rein, was er für diese Reise ohne Wiederkehr brauchte. Zuletzt hüllte er sich in seinen Lieblingsumhang, der so schön warm und kuschelig war und ihn immer an sein Zuhause erinnern würde. Sekunden später sah er sehnsuchtsvoll zu seinem Plüschfreund. Doch anstatt auch ihn einzupacken, griff Haldir nach seinem Holzschwert und stahl sich aus seinem Zimmer. Ob er wohl eine Nachricht hinterlassen sollte? Kurz dachte er darüber nach, schüttelte dann jedoch seinen Kopf und kletterte umständlich von dem für ihn riesigen Fleet herunter.

Allerdings fiel sein ganzer Fluchtplan in sich zusammen, als er völlig allein durch den dunklen und unheimlichen Wald tapste. Wo war nur sein Mut geblieben? Bei Tageslicht sah alles viel freundlicher aus. Fest umfasste der Elbling sein Holzschwert und ging langsam weiter. Da ein Knacksen, hier ein kehliges Geräusch, hinter ihm ein Rauschen und vor ihm undurchdringbare Dunkelheit. Verschwunden waren Sterne und Mond. Völlig entmutigt blieb der kleine Elb stehen und sah sich verängstigt um. Als er dann noch von einer seltsam verzerrten Stimme gerufen wurde, verfiel er völlig in Panik. Unachtsam ließ er Rucksack und Holzschwert an Ort und Stelle fallen und stürmte blindlings los.

Sekunden später hallte ein angsterfüllter Schrei durch den nächtlichen Wald. Weinend sah der kleine Elb zu dem Wesen auf, dem er direkt vor die Füße gerannt war und wodurch er sein Gleichgewicht verloren hatte. Jetzt saß er auf moosigem Untergrund und zitterte mit den sich im Wind wiegenden Blättern um die Wette. "Haldir?" Das Weinen wurde lauter und der Angesprochene rechnete jeden Moment damit, dass eine ganze Versammlung Hobbits um ihn herum auftauchte. Oder schlimmer noch – dass Zwerge aus den Tiefen der Erde hervor krochen. Ängstlich schloss er die Augen. Wenn er die anderen nicht sehen konnte, konnten die ihn vielleicht auch nicht sehen!

Doch es passierte nichts – zumindest nichts, wovor sich der kleine Elb fürchten musste. Sanft wurde er hochgehoben und obwohl er immer noch verzweifelt die Augen zusammenpresste, konnte er einen vertrauten Geruch wahrnehmen. Erdbeershampoo! Nur ein Elb in ganz Lorien nutzte es und würde lieber auf den besten Wein Düsterwalds verzichten, als auf dieses Shampoo. "Ada?", flüsterte Haldir unsicher und blinzelte. Gerade in diesem Augenblick rissen die Wolken auf und er konnte Celeborn im sanften Licht des Mondes erkennen. "Ada", schrie er glücklich und umarmte seinen Ziehvater mit seinen kurzen Ärmchen, hielt sich ganz doll fest.

"Wohin wollte mein kleiner Elbenkrieger denn so spät noch?" Hatte Haldir gerade noch vor Freude gelacht, zügelten diese Worte seinen Elan wieder. Selbst sein Ada verspottete seine Größe. "Ich bin nicht klein", murmelte er entschlossen und wischte sich die erneut runterkullernden Tränchen beiseite. Aber es nützte nichts. Immer mehr klare Tropfen rollten über seine Wangen, während Celeborn den Elbling fragend ansah. Und mit einem Mal purzelten all seine Befürchtungen und Ängste über Haldirs Lippen und erst da ging dem Älteren ein Licht auf.

"Nicht weinen, Haldir. Ich kenne keinen einzigen Elben, der sein Leben lang klein geblieben ist. Sie alle sind noch gewachsen. Ich möchte dir etwas verraten, aber du darfst es niemandem erzählen. Auch ich war früher ein eher kleiner Elbling. Man zog mich immer damit auf, dass ich auf Kisten stehen müsste, um überhaupt etwas zu sehen. Und auch aus mir ist ein Elb geworden, kein Hobbit und schon gar kein Zwerg." Haldir snüffte leise und sah auf den Boden hinab. Uhi war das hoch. Ob sein Ziehvater tatsächlich Recht hatte? "Sicher?" Celeborn nickte mild lächelnd und wischte sacht ein paar Tränchen von Haldirs Wangen. "Aber wenn ich nun doch ein Zwerg bin", murmelte der Elbling leise und sah den Älteren aus großen Augen an. "Nein. Du bist ein waschechter Elb." "Warum?" "Weil du wie einer riechst", erwiderte Celeborn schließlich geduldig, so als würde das alles erklären. Aber es wirkte, denn der kleine Krieger gab sich damit zufrieden. Schließlich war der Geruchssinn der Elben sagenumwoben und außerdem würde ihn sein Ada niemals nie anlügen.

"Und warum bin ich dann pummelig?", hakte Haldir nun doch noch nach. Denn immerhin wurde er deswegen ja auch ständig aufzogen. "Das liegt an den leckeren Schokokeksen, die Ainuiel macht", erwiderte Celeborn schmunzelnd. Darin sah Haldir ein einleuchtendes Argument und er verlor seine Angst, ein Hobbit zu sein. Zufrieden kuschelte er sich an die Brust seines Adas und war eingeschlafen, noch bevor Celeborn das Fleet erreicht hatte.

ENDE

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 Betreff des Beitrags: Re: Kleine Helden – "Klein zu sein ist schwer…"
BeitragVerfasst: 19.09.2007, 00:09 
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Kankras Netzaufroller
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*zugeb* Ich habe nur die ersten Absätze überflogen, du gehst wie immer wirklich beeindruckend gewandt mit Stil und Worten um. Nur diese Babyelben sind einfach nicht mein Ding, ich kann leider nicht viel damit anfangen. Also nicht böse sein.


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 Betreff des Beitrags: Re: Kleine Helden – "Klein zu sein ist schwer…"
BeitragVerfasst: 29.09.2007, 20:49 
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Sams Schwimmlehrer
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*bisschen spät dran is* Oh....das ist irgendwie süß Niniel. Ich find die Wortwahl auch schön. Und Haldirs Gefühle sind irgendwie sehr überzeugend beschrieben - finde ich.

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(Konfuzius)


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 Betreff des Beitrags: Re: Kleine Helden – "Klein zu sein ist schwer…"
BeitragVerfasst: 03.10.2007, 21:18 
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Saurons Spielzeug
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*lach* Oooooh, ein kleiner dicker Elb - kommt mir natürlich bekannt vor *hehe*...

Hast Du süß geschrieben, Nini! Ja, ist schon ein schweres Los, was so ein kleiner Elb gezogen hat. <img src="biggrin.gif" border="0"> Und es gibt nichts schlimmeres, als wenn man vermeintlich ein "hässliches Entlein" ist. Doch dank Celeborn wird sich der Kleine auf sein späteres Leben als "anmutiger Schwan" freuen. <img src="smile.gif" border="0">

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Minnesänger sangen um der Liebe willen. Hellebarden sangen am Eingang zur Hölle

Heiliger Kuhmist, sind wir Nerds! (Raj Koothrappali)


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 Betreff des Beitrags: Re: Kleine Helden – "Klein zu sein ist schwer…"
BeitragVerfasst: 04.10.2007, 23:54 
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Gandalfs Stabschnitzer
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Registriert: 10.02.2007, 00:28
Beiträge: 528
<br><table width="90%" cellspacing="1" cellpadding="3" border="0" align="center"><tr> <td><span class="genmed">Zitat:</span></td></tr><tr><td class="quote"><br>Niniel of Gondor schrieb am 18.09.2007 22:40 Uhr:

Dicke Tränchen rollten bei dieser Zukunftsvision über seine Wangen und tropften auf das schon etwas mitgenommene Fell seines Stoffferkels Oink.
<br></tr></td></table><br>

*ganz furchtbar breit grins* ist das süüüüüß

Aber auch ansonsten habe ich mit einem breiten Lächeln (nein, nicht Grinsen) hier gesessen und habe mich einfach an deiner kleinen Geschichte erfreut. Achtung, jetzt wird es extremst kitschig!!! Ich find sie einfach zauberhaft. <img src="smile.gif" border="0">

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Es ist sehr simpel. Schere schneidet Papier. Papier bedeckt den Stein. Der Stein zerquetscht die Echse. Die Echse vergiftet Spock. Spock zerschlägt die Schere. Die Schere enthauptet die Echse. Die Echse isst das Papier. Das Papier widerlegt Spock. Spock verdampft den Stein. Und so, wie es schon immer war, zerschmettert der Stein die Schere.


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