Metaphorische Reflexion iF. eines Brechtgedichtes

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Metaphorische Reflexion iF. eines Brechtgedichtes

Beitrag von Glorfindel » 20.04.2004, 09:12

Ich liebe Metaphern und einige von euch wissen vermutlich, was ich mit diesem Gedicht ausdrücken möchte... ansonsten, Brecht ist immer gut, egal, für was.


Siebenhundert Intellektuelle beten einen Öltank an



Ohne Einladung
Sind wir gekommen
Siebenhundert (und viele sind noch unterwegs)
Überall her,
Wo kein Wind mehr weht,
Von den Mühlen, die langsam mahlen,
Und den Öfen, von denen es heißt,
Daß kein Hund mehr vorkommt.

Und haben dich gesehen
Plötzlich in der Nacht,
Öltank.

Gestern warst du noch nicht da,
Aber heute bist nur du mehr.

Eilet herbei, alle
Die ihr abgesägt den Ast, auf dem ihr sitzet,
Werktätige!
Gott ist wiedergekommen
In Gestalt eines Öltanks.

Du Häßlicher,
Du bist der Schönste,
Tue uns Gewalt an,
Du Sachlicher!

Lösche aus unser Ich!
Mach uns kollektiv!
Denn nicht wie wir wollen
Sondern wie du willst.

Und bist du nicht gemacht aus Elfenbein
Und Ebenholz, sondern aus
Eisen.
Herrlich, Herrlich, Herrlich!
Du Unscheinbarer!

Du bist kein Unsichtbarer,
Nicht Unendlich bist du!
Sondern sieben Meter hoch.
In dir ist kein Geheimnis
Sondern Öl.
Und du verfährst mit uns
Nicht nach Gutdünken, noch unerforschlich
Sondern nach Berechnung.

Was ist für dich Gras?
Du sitzest darauf.
Wo ehedem Gras war
Da sitzest jetzt du, Öltank,
Und vor dir ist ein Gefühl
Nichts.

Darum erhöre uns
Und erlöse uns von dem Übel des Geistes
Im Namen der Elektrifizierung
Der Ratio und der Statistik!
Zuletzt geändert von Glorfindel am 20.04.2004, 09:17, insgesamt 1-mal geändert.
Sind meine Dämonen Hasen oder sind meine Hasen Dämonen?




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Re: Metaphorische Reflexion iF. eines Brechtgedichtes

Beitrag von Eomer » 20.04.2004, 09:57

Uff, Brecht. Der Einzige, mit dem ich es nicht so habe.

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Re: Metaphorische Reflexion iF. eines Brechtgedichtes

Beitrag von Eldalia » 20.04.2004, 11:20

Naja, manchmal hat er wirklich was sehr sinnvolles gesagt.
Das Problem, das ich bei Brecht sehr oft habe....ich verstehe ihn nicht.
Use it or lose it!

"W(h)erewolf? Therewolf! HAHAHA!!!" (Craig Parker RingCon 2009)

"Lesen ist die einzige Möglichkeit, mehr als ein Leben zu leben ohne mehr als einen
Tod zu sterben." (M. Zimmer-Bradley)

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Re: Metaphorische Reflexion iF. eines Brechtgedichtes

Beitrag von Amélie » 20.04.2004, 14:10

ich habe zwar eine 'kleine' aversion gegen brecht (schon, weil er zu den verächtern rilkes gezählt hat) aber in diesem speziellen fall scheint es mir sehr gut gewählt, glory...

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Re: Metaphorische Reflexion iF. eines Brechtgedichtes

Beitrag von AnimA » 20.04.2004, 18:29

Dazu fällt mir spontan zu ein: *lach, bitte nicht zuuu ernst nehmen!!!*

"Fresst Scheiße, tausende von Fliegen können nicht irren"

Bitte, ich finde das absolut scheusslich und dennoch faszinierend in seiner Wahrheit, aber es hat was, genau wie manches was von Herrn Brecht ist,.......
*lächel*.

Ansonsten zum Öltank: ?????????????????
Zuletzt geändert von AnimA am 20.04.2004, 18:35, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Metaphorische Reflexion iF. eines Brechtgedichtes

Beitrag von Herr Frodo » 20.04.2004, 19:02

Man sollte Brecht nie als Imperativ verstehen!
Zuletzt geändert von Herr Frodo am 20.04.2004, 19:05, insgesamt 1-mal geändert.
Moden kommen und gehen, wir saufen beständig. Bild

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