Ein bisschen Freundschaft ist mir mehr wert als die Bewunderung der ganzen Welt. (Otto Fürst von Bismarck)


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     Betreff des Beitrags: Re: Nicht unseres Geistes und doch bedeuten sie uns viel.
    BeitragVerfasst: 21.06.2004, 17:11 
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    Elronds Augenbrauenzupfer
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    Eiszeiten

    Der Eiszeiten gibt es viele

    Inmitten ihrer die flügelumwobene Wiese
    vom Traum der Gezeiten
    die uns schwemmen wie Meeresalgen
    an glitzernde Strände
    bei Ebbe geliebt
    im blauen Zweifel der Flut
    der nächsten Strömung wieder hingegeben
    wieder Muschel und Alge
    geschwemmt und geborgen
    getrocknet und durchnässt
    locker gewoben

    Meerwiese, lass mich zu besonnten Worten des Wechsels
    meine Gedankenkühe auf dir weiden

    -D. Mönch-

    _________________
    Die Welt ist außerhalb der Irrenhäuser nicht minder drollig als drinnen.(Hermann Hesse)
    ~~~
    Narrete Küeh hend spinnende Kälble.
    ~~~
    Wer nicht verrückt ist, ist nicht normal.

    ~~~
    Narrenhaus I--Narrenhaus II--Narrenhaus III--Narrenhaus IV


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     Betreff des Beitrags: Re: Nicht unseres Geistes und doch bedeuten sie uns viel.
    BeitragVerfasst: 23.06.2004, 14:20 
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    Cirdans Ankerwerfer
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    wunderschön, alienne... <img src="http://www.mysmilie.de/smilies/lieb/2/img/004.gif">

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     Betreff des Beitrags: Re: Nicht unseres Geistes und doch bedeuten sie uns viel.
    BeitragVerfasst: 24.06.2004, 21:26 
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    Ich säume liebentlang durchs Morgenlicht,
    Längst lebe ich vergessen - im Gedicht.
    Du hast es einmal mir gesprochen.

    Ich weiß den Anfang -
    Weiter weiß ich von mir nicht.
    Doch hörte ich mich schluchzen im Gesang.

    Else Lasker-Schüler

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     Betreff des Beitrags: Re: Nicht unseres Geistes und doch bedeuten sie uns viel.
    BeitragVerfasst: 04.07.2004, 12:26 
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    Tristan

    Wer die Schönheit angeschaut mit Augen,
    Ist dem Tode schon anheimgegeben,
    Wird für keinen Dienst auf Erden taugen,
    Und doch wird er vor dem Tode beben,
    Wer die Schönheit angeschaut mit Augen!

    Ewig währt für ihn der Schmerz der Liebe,
    Denn ein Tor nur kann auf Erden hoffen,
    Zu genügen einem solchen Triebe:
    Wen der Pfeil des Schönen je getroffen,
    Ewig währt für ihn der Schmerz der Liebe!

    Ach, er möchte wie ein Quell versiechen,
    Jedem Hauch der Luft ein Gift entsaugen,
    Und den Tod aus jeder Blume riechen:
    Wer die Schönheit angeschaut mit Augen,
    Ach, er möchte wie ein Quell versiechen!

    (Graf August von Platen)

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     Betreff des Beitrags: Re: Nicht unseres Geistes und doch bedeuten sie uns viel.
    BeitragVerfasst: 05.07.2004, 16:02 
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    Es ist zwar ein Lied, aber ich finde, hier ist es viel besser aufgehoben, als in einem anderen Thread. Es ist in der DDR entstanden, aber auch über die Grenzen hinaus bekannt geworden. Eins meiner Lieblingslieder von denen, die wir im Chor singen.


    Kinder


    Sind so kleine Hände
    winzige Finger dran.
    Darf man nie drauf schlagen
    die zerbrechen dann.

    Sind so kleine Füße
    mit so kleinen Zehn.
    Darf man nie drauf treten
    könn sie sonst nicht gehn.

    Sind so kleine Ohren
    scharf, und ihr erlaubt.
    Darf man nie zerbrüllen
    werden davon taub.

    Sind so schöne Münder
    sprechen alles aus.
    Darf man nie verbieten
    Kommt sonst nichts mehr raus.

    Sind so klare Augen
    die noch alles sehn.
    Darf man nie verbinden
    könn sie nichts verstehn.

    Sind so kleine Seelen
    offen und ganz frei.
    Darf man niemals quälen
    gehn kaputt dabei.

    Ist son kleines Rückgrat
    sieht man fast noch nicht.
    Darf man niemals beugen
    weil es sonst zerbricht.

    Gerade, klare Menschen
    wärn ein schönes Ziel.
    Leute ohne Rückgrat
    hab'n wir schon zuviel.


    Bettina Wegner

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    "Nerf the rock, paper is fine."
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     Betreff des Beitrags: Re: Nicht unseres Geistes und doch bedeuten sie uns viel.
    BeitragVerfasst: 05.07.2004, 16:04 
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    wirklich schön, lac... und irgendwie hab ich die melodie noch im ohr *lächel*

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     Betreff des Beitrags: Re: Nicht unseres Geistes und doch bedeuten sie uns viel.
    BeitragVerfasst: 12.07.2004, 15:36 
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    Cirdans Ankerwerfer
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    @anima <img src="http://www.mysmilie.de/smilies/lieb/2/img/004.gif">

    Die erste Elegie

    Wer, wenn ich schriee, hörte mich denn aus der Engel
    Ordnungen? und gesetzt selbst, es nähme
    einer mich plötzlich ans Herz: ich verginge von seinem
    stärkeren Dasein. Denn das Schöne ist nichts
    als des Schrecklichen Anfang, den wir noch grade ertragen,
    und wir bewundern es so, weil es gelassen verschmäht,
    uns zu zerstören. Ein jeder Engel ist schrecklich.
    Und so verhalt ich mich denn und verschlucke den Lockruf
    dunkelen Schluchzens. Ach, wen vermögen
    wir denn zu brauchen? Engel nicht, Menschen nicht,
    und die findigen Tiere merken es schon,
    daß wir nicht sehr verläßlich zu Haus sind
    in der gedeuteten Welt. Es bleibt uns vielleicht
    irgend ein Baum an dem Abhang, daß wir ihn täglich
    wiedersähen; es bleibt uns die Straße von gestern
    und das verzogene Treusein einer Gewohnheit,
    der es bei uns gefiel, und so blieb sie und ging nicht.
    O und die Nacht, die Nacht, wenn der Wind voller Weltraum
    uns am Angesicht zehrt -, wem bliebe sie nicht, die ersehnte,
    sanft enttäuschende, welche dem einzelnen Herzen
    mühsam bevorsteht. Ist sie den Liebenden leichter?
    Ach, sie verdecken sich nur mit einander ihr Los.
    Weißt du's noch nicht? Wirf aus den Armen die Leere
    zu den Räumen hinzu, die wir atmen; vielleicht daß die Vögel
    die erweiterte Luft fühlen mit innigerm Flug.

    Ja, die Frühlinge brauchten dich wohl. Es muteten manche
    Sterne dir zu, daß du sie spürtest. Es hob
    sich eine Woge heran im Vergangenen, oder
    da du vorüberkamst am geöffneten Fenster,
    gab eine Geige sich hin. Das alles war Auftrag.
    Aber bewältigtest du's? Warst du nicht immer
    noch von Erwartung zerstreut, als kündigte alles
    eine Geliebte dir an? (Wo willst du sie bergen,
    da doch die großen fremden Gedanken bei dir
    aus und ein gehn und öfters bleiben bei Nacht.)
    Sehnt es dich aber, so singe die Liebenden; lange
    noch nicht unsterblich genug ist ihr berühmtes Gefühl.
    Jene, du neidest sie fast, Verlassenen, die du
    so viel liebender fandst als die Gestillten. Beginn
    immer von neuem die nie zu erreichende Preisung;
    denk: es erhält sich der Held, selbst der Untergang war ihm
    nur ein Vorwand, zu sein: seine letzte Geburt.
    Aber die Liebenden nimmt die erschöpfte Natur
    in sich zurück, als wären nicht zweimal die Kräfte,
    dieses zu leisten. Hast du der Gaspara Stampa
    denn genügend gedacht, daß irgend ein Mädchen,
    dem der Geliebte entging, am gesteigerten Beispiel
    dieser Liebenden fühlt: daß ich würde wie sie?
    Sollen nicht endlich uns diese ältesten Schmerzen
    fruchtbarer werden? Ist es nicht Zeit, daß wir liebend
    uns vom Geliebten befrein und es bebend bestehn:
    wie der Pfeil die Sehne besteht, um gesammelt im Absprung
    mehr zu sein als er selbst. Denn Bleiben ist nirgends.

    Stimmen, Stimmen. Höre, mein Herz, wie sonst nur
    Heilige hörten: daß sie der riesige Ruf
    aufhob vom Boden; sie aber knieten,
    Unmögliche, weiter und achtetens nicht:
    So waren sie hörend. Nicht, daß du Gottes ertrügest
    die Stimme, bei weitem. Aber das Wehende höre,
    die ununterbrochene Nachricht, die aus Stille sich bildet.
    Es rauscht jetzt von jenen jungen Toten zu dir.
    Wo immer du eintratst, redete nicht in Kirchen
    zu Rom und Neapel ruhig ihr Schicksal dich an?
    Oder es trug eine Inschrift sich erhaben dir auf,
    wie neulich die Tafel in Santa Maria Formosa.
    Was sie mir wollen? leise soll ich des Unrechts
    Anschein abtun, der ihrer Geister
    reine Bewegung manchmal ein wenig behindert.

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     Betreff des Beitrags: Re: Nicht unseres Geistes und doch bedeuten sie uns viel.
    BeitragVerfasst: 12.07.2004, 15:38 
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    Freilich ist es seltsam, die Erde nicht mehr zu bewohnen,
    kaum erlernte Gebräuche nicht mehr zu üben,
    Rosen, und andern eigens versprechenden Dingen
    nicht die Bedeutung menschlicher Zukunft zu geben;
    das, was man war in unendlich ängstlichen Händen,
    nicht mehr zu sein, und selbst den eigenen Namen
    wegzulassen wie ein zerbrochenes Spielzeug.
    Seltsam, die Wünsche nicht weiter zu wünschen. Seltsam,
    alles, was sich bezog, so lose im Raume
    flattern zu sehen. Und das Totsein ist mühsam
    und voller Nachholn, daß man allmählich ein wenig
    Ewigkeit spürt. - Aber Lebendige machen
    alle den Fehler, daß sie zu stark unterscheiden.
    Engel (sagt man) wüßten oft nicht, ob sie unter
    Lebenden gehn oder Toten. Die ewige Strömung
    reißt durch beide Bereiche alle Alter
    immer mit sich und übertönt sie in beiden.

    Schließlich brauchen sie uns nicht mehr, die Früheentrückten,
    man entwöhnt sich des Irdischen sanft, wie man den Brüsten
    milde der Mutter entwächst. Aber wir, die so große
    Geheimnisse brauchen, denen aus Trauer so oft
    seliger Fortschritt entspringt -: könnten wir sein ohne sie?
    Ist die Sage umsonst, daß einst in der Klage um Linos
    wagende erste Musik dürre Erstarrung durchdrang;
    daß erst im erschrockenen Raum, dem ein beinah göttlicher Jüngling
    plötzlich für immer enttrat, das Leere in jene
    Schwingung geriet, die uns jetzt hinreißt und tröstet und hilft.

    (aus den Duineser Elegien - R.M.Rilke)

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    Zuletzt geändert von Amélie am 12.07.2004, 15:49, insgesamt 1-mal geändert.

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     Betreff des Beitrags: Re: Nicht unseres Geistes und doch bedeuten sie uns viel.
    BeitragVerfasst: 12.07.2004, 20:33 
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    Ohhhh, Amélie, DANKE!!!!!

    Das ist so schön, ergreifend, und überbordend, das habe ich eben zum ersten Mal gelesen, und ich werde es mir noch einmal in Ruhe zu Gemüte führen, das ist wahrlich ein Gedankenschatz, manches für mich auf´s erste nicht zu verstehen, und manches mir solcher Sprachgewalt ausformuliert,...dass ich nur staunend lesen kann,...wunderbar!!!

    Ich danke dir sehr, das du mir einen Teil dieser Elegien hier reingesetzt hast. In welchem Zusammenhang sind sie entstanden, weißt du das?

    Das Thema "Engel" beschäftigt mich schon lange, da passt diese Elegie natürlich hervorragend.

    Ahh, und noch zum von Platen Gedicht, "Tristan", DAS ist ja auch wundervoll, und einzelne Passagen sogar mir Gedichtephobiker bekannt, *lächel*,..ja, ja, wer je die Schönheit angeschaut mit Augen,...

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     Betreff des Beitrags: Re: Nicht unseres Geistes und doch bedeuten sie uns viel.
    BeitragVerfasst: 13.07.2004, 01:04 
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    du sagst es, anima... diese unglaubliche sprachgewalt!!!

    sehr treffend beschreibt es, wie ich finde, der begleittext zur lesung von otto clemens (preiser hörwelten *allerwärmstens empfehl*): "nichts in diesen elegien ist klein oder schwach gefühlt... staunend steht man vor den bildern, ist von diesem einsichten bist ins innerste aufgestört, von ihrer radikalität bestürzt..."

    insgesamt sind es zehn elegien und in ihrer gesamtheit können sie wohl ohne zu übertreiben sein hauptwerk genannt werden. die ersten elegien sind entstanden, als rilke einen kalten einsamen winter lang gast der fürstin von thurn und taxis auf schloß duino war; die letzten elegien hat er erst kurz vor seinem tod geschrieben...

    in welchem zusammenhang sie entstanden sind? ich glaube, es war seine lebensaufgabe, das zu papier zu bringen. er selbst hat, nachdem die letzte elegie beendet war, der fürstin einen brief geschrieben, in dem stand: "... an essen war nie zu denken. gott weiß, wer mich genährt hat..."

    wenn das nicht berufung war...

    bin ich jetzt ins schwärmen verfallen? <img src="http://www.turm-der-buecher.de/_smilies/crazy05.gif">

    schön, wenn ich dir auch eine freude damit machen konnte <img src="http://images.rapidforum.com/images/i23.gif" border="0">

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     Betreff des Beitrags: Re: Nicht unseres Geistes und doch bedeuten sie uns viel.
    BeitragVerfasst: 14.07.2004, 14:51 
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    Venedig

    An der Brücke stand
    Jüngst ich in brauner Nacht.
    Fernher kam Gesang:
    Goldener Tropfen quoll's
    Über die zitternde Fläche weg.
    Gondeln, Lichter, Musik -
    Trunken schwamm's in die Dämmrung hinaus ...

    Meine Seele, ein Saitenspiel,
    Sang sich, unsichtbar berührt,
    Heimlich ein Gondellied dazu,
    Zitternd vor bunter Seligkeit.
    - Hörte jemand ihr zu? ...

    (Friedrich Nietzsche)

    _________________
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     Betreff des Beitrags: Re: Nicht unseres Geistes und doch bedeuten sie uns viel.
    BeitragVerfasst: 15.07.2004, 21:18 
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    Ûgluks Zahnputzer
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    Ah,... Nitsche. DEM hätte ich so ein Gedicht nun fast gar nicht zugetraut. erstaunlich, was ich hier neues zu lesen bekomme.

    Anscheinend hatte er durchaus poetische Worte übrig für seine Seele,...*lächel*, wie passend, Amélie, und dann noch deine Sig, von Herrn Wilde, für mich als leidenschaftliche Träumerin eine tiefe Wahrheit!!

    _________________
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    Zuletzt geändert von AnimA am 15.07.2004, 21:18, insgesamt 1-mal geändert.

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     Betreff des Beitrags: Re: Nicht unseres Geistes und doch bedeuten sie uns viel.
    BeitragVerfasst: 29.08.2004, 18:53 
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    August

    Das war des Sommers schönster Tag
    Nun klingt er vor dem stillen Haus
    in Duft und süßem Vogelschlag
    unwiederbringlich leise aus.

    In dieser Stunde goldnen Born
    gießt schwelgerisch in roter Pracht
    der Sommer aus sein volles Horn
    und feiert seine letzte Nacht.

    (H. Hesse)

    _________________
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     Betreff des Beitrags: Re: Nicht unseres Geistes und doch bedeuten sie uns viel.
    BeitragVerfasst: 20.09.2004, 14:09 
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    Der alte Brunnen

    Lösch aus dein Licht und schlaf! Das immer wache
    Gesplätscher nur vom alten Brunnen tönt.
    Wer aber Gast war unter meinem Dache,
    Hat sich stets bald an diesen Ton gewöhnt.

    Zwar kann es einmal sein, wenn du schon mitten
    Im Traume bist, daß Unruh geht ums Haus,
    Der Kies beim Brunnen knirscht von harten Tritten,
    Das helle Plätschern setzt auf einmal aus,

    Und du erwachst — dann mußt du nicht erschrecken!
    Die Sterne stehn vollzählig überm Land,
    Und nur ein Wandrer trat ans Marmorbecken,
    Der schöpft vom Brunnen mit der hohlen Hand.

    Er geht gleich weiter. Und es rauscht wie immer.
    O freue dich, du bleibst nicht einsam hier.
    Viel Wandrer gehen fern im Sternenschimmer,
    Und mancher noch ist auf dem Weg zu dir.

    (Hans Carossa)

    _________________
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     Betreff des Beitrags: Re: Nicht unseres Geistes und doch bedeuten sie uns viel.
    BeitragVerfasst: 17.10.2004, 11:08 
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    WARNUNG: Wer's nicht kennt... Vorsicht.


    Todesfuge


    Schwarze Milch der Frühe, wir trinken sie abends
    wir trinken sie mittags und morgens wir trinken sie nachts
    wir trinken und trinken
    wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng
    Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt
    der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland dein goldenes Haar Margarete
    er schreibt es und tritt vor das Haus und es blitzen die Sterne er pfeift seine Rüden herbei
    er pfeift seine Juden hervor läßt schaufeln ein Grab in der Erde
    er befiehlt uns spielt auf nun zum Tanz

    Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
    wir trinken dich morgens und mittags wir trinken dich abends
    wir trinken und trinken
    Ein Mann wohnt im Haus und spielt mit den Schlangen der schreibt
    der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland dein goldenes Haar Margarete
    Dein aschenes Haar Sulamith wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng

    Er ruft stecht tiefer ins Erdreich ihr einen ihr andern singet und spielt
    er greift nach dem Eisen im Gurt er schwingts seine Augen sind blau
    stecht tiefer die Spaten ihr einen ihr andern spielt weiter zum Tanz auf

    Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
    wir trinken dich mittags und morgens wir trinken dich abends
    wir trinken und trinken
    ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete
    dein aschenes Haar Sulamith er spielt mit den Schlangen

    Er ruft spielt süßer den Tod der Tod ist ein Meister aus Deutschland
    er ruft streicht dunkler die Geigen dann steigt ihr als Rauch in die Luft
    dann habt ihr ein Grab in den Wolken da liegt man nicht eng

    Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
    wir trinken dich mittags der Tod ist ein Meister aus Deutschland
    wir trinken dich abends und morgens wir trinken und trinken
    der Tod ist ein Meister aus Deutschland sein Auge ist blau
    er trifft dich mit bleierner Kugel er trifft dich genau
    ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete
    er hetzt seine Rüden auf uns er schenkt uns ein Grab in der Luft
    er spielt mit den Schlangen und träumet der Tod ist ein Meister aus Deutschland
    dein goldenes Haar Margarete
    dein aschenes Haar Sulamith

    Paul Celan

    _________________
    Sind meine Dämonen Hasen oder sind meine Hasen Dämonen?




    [url=http://www.TickerFactory.com/"><!CRLF]<img border="0" src="http://tickers.TickerFactory.com/ezt/d/4;10722;117/st/20090315/e/6+Jahre+Eo%60Glory/k/90b2/event.png">[/url]


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     Betreff des Beitrags: Re: Nicht unseres Geistes und doch bedeuten sie uns viel.
    BeitragVerfasst: 17.10.2004, 14:24 
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    Gandalfs Stabschnitzer
    Gandalfs Stabschnitzer

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    @glory das kenn ich sogar mal ;), haben das (ist inzwischen schon ein paar Jährchen her) mal im Deutschunterricht durchgenommen.....

    _________________
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    Once I repair, I'll be good to go<br>

    World of Warcraft is a feeling<br>

    Who needs a social life?

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     Betreff des Beitrags: Re: Nicht unseres Geistes und doch bedeuten sie uns viel.
    BeitragVerfasst: 17.10.2004, 14:56 
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    Gandalfs Stabschnitzer
    Gandalfs Stabschnitzer

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    Cuttings

    The afterthought of chimes
    filters in from next door.
    I am under the echo, not
    listening so much as noticing
    it from time to time as
    I look over the results
    of my landscaping and
    weeding from a white
    wicker chair.

    An errant vine has sprouted
    two blue flowers
    where it reaches
    roots of the lemon tree.
    They are beautiful;
    I am suspicious.
    Are they a diversion,
    an entreaty to keep me
    from cutting back the vine?
    I'll keep the flowers,
    put them in a saucer
    by your bed.

    (Viggo Mortensen)

    _________________
    <div align="center"><font color="#6a5acd">
    Stockades, gnomer, SM <br>
    Won't you join me, on an instance farming run<br>
    Let me hit the vendor, free up some bag space<br>
    Once I repair, I'll be good to go<br>

    World of Warcraft is a feeling<br>

    Who needs a social life?

    </font></div>


    Zuletzt geändert von engelchen am 17.10.2004, 14:57, insgesamt 1-mal geändert.

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     Betreff des Beitrags: Re: Nicht unseres Geistes und doch bedeuten sie uns viel.
    BeitragVerfasst: 17.10.2004, 18:19 
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    Ûgluks Zahnputzer
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    Wohnort: [VERBORGEN]
    "Der Tod ist ein Meister aus Deutschland"

    ,..oh, Glorfindel, wie lange habe ich vergeblich gesucht, von WEM dieses Gedicht ist!! Danke, dass du es gepostst hast, das ist mir sehr wichtig, das berührt unheimlich,...erst recht wenn man dann im Gegenzug die Bilder von Sulamith Wülfing betrachtet.

    Kennt ihr Sulamith Wülfing???

    _________________
    Bild


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     Betreff des Beitrags: Re: Nicht unseres Geistes und doch bedeuten sie uns viel.
    BeitragVerfasst: 17.10.2004, 18:27 
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    Wohnort: Unendliche Weiten des Himmels
    Kann das sein, dass ich sie aus Märchenbüchern kenne, die Bilder?

    _________________
    "Nerf the rock, paper is fine."
    Scissors


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     Betreff des Beitrags: Re: Nicht unseres Geistes und doch bedeuten sie uns viel.
    BeitragVerfasst: 17.10.2004, 20:53 
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    Elronds Augenbrauenzupfer
    Elronds Augenbrauenzupfer
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    Wohnort: Trommelland
    <img src="http://absolute1.net/sulamith_wulfing_purification.jpg">

    beseelte...ein beispiel...

    _________________
    Die Welt ist außerhalb der Irrenhäuser nicht minder drollig als drinnen.(Hermann Hesse)
    ~~~
    Narrete Küeh hend spinnende Kälble.
    ~~~
    Wer nicht verrückt ist, ist nicht normal.

    ~~~
    Narrenhaus I--Narrenhaus II--Narrenhaus III--Narrenhaus IV


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